Herausgegeben von Mary E. Helfer, Ruth S. Kempe und Richard D. Krugman. Aus dem Amerikanischen von Ulrike Stopfel, Petra Bohne und Reinhard Herborth. The Battered Child ist seit der ersten Auflage 1968 das einflußreichste interdisziplinär angelegte Standardwerk zur Kindesmisshandlung in den USA. Seine Herausgeber machten Kindesmisshandlung und Kinderschutzpolitik über Nacht zu einem nationalen und internationalen Thema und prägten über Jahrzehnte maßgeblich die weitere Entwicklung. Seitdem ist die Forschung zur Kindesmisshandlung zu einem wichtigen Bereich der medizinischen, psychologischen und soziologischen Forschung geworden. Aus einem ehemals schmalen Band wurde nun in der fünften, stark erweiterten Auflage ein Kompendium von nahezu tausend Seiten, für das wieder ein hochrangiges Autorenteam gewonnen werden konnte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.04.2003
Robert Jütte begrüßt in seiner kurzen Kritik die Wiederauflage dieses "Standardwerks" über Kindesmisshandlung. Der Rezensent betont, dass das Buch, das 1972 erstmals erschien, in aktualisierter und überarbeiteter Form vorliegt und auch neue Kapitel hinzugekommen seien. Ebenfalls lobenswert findet er, das speziell für die deutschen Leser ein Anhang mit Informationen zu den hiesigen Kinderschutzgesetzen in das Buch aufgenommen wurde. Als "sehr instruktiv" lobt der Rezensent noch das Kapitel, das moderne Untersuchungsmethoden vorstellt, mit denen man Kindesmisshandlung auf die Spur kommen kann. Lediglich den historischen Rückblick auf die "Geschichte der Familie und Kindheit" findet Jütte völlig überflüssig, weil er die neuesten Forschung zu dem Thema nicht berücksichtige und lediglich auf die "Tränendrüse" drücke, wie er moniert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.03.2003
Milos Vec bespricht diesen "dickleibigen Sammelband" sehr ausführlich. Zunächst hebt er als Verdienst der Herausgeber hervor, dass sie offen legen, dass die gesellschaftlichen Vorstellungen von Kindesmisshandlung auf einem "normativ vorhandenen Begriff des Kindeswohls" beruhten, der "stark kulturabhängig sei". Der Einführungsbeitrag mache zunächst die historische Kontingenz unserer Vorstellungen vom Kindeswohl deutlich, andere Beiträge zeigten, dass es auch heute noch "kulturabhängige Wertungswidersprüche" gebe, die es schwer machen, in Einzelfällen moralisch und juristisch zu urteilen. Vec lobt, dass das Dilemma unserer "Normalisierungsgesellschaft" deutlich werde und hebt als verdienstvoll hervor, dass der Band auch auf "empirisch noch völlig unterschätzte" Aspekte des Themas aufmerksam mache, wie etwa die "Kindesvernachlässigung". Die Qualität der Beiträge sei aber unterschiedlich und vor allem vermisse man angesichts der vielen Details eine "Linie des Ganzen".
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