Bücherschau der Woche
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Peter Bürger
Ursprung des postmodernen Denkens
Klappentext
Peter Bürger begreift das postmoderne Denken als Antwort auf die im Ersten Weltkrieg aufbrechende Krise der Moderne. Was diesem Denken seine Dynamik verleiht, ist die Auseinandersetzung mit den tragenden Kategorien der Moderne ? Subjekt, Arbeit, Fortschritt ?, die Hegel in der "Dialektik von Herr und Knecht" in einen konsequenten Zusammenhang gebracht hatte. Der dunkle Surrealismus antwortete darauf mit der Preisgabe des Subjekts, der Verweigerung der Arbeit und der Verwandlung der Welt in einen Raum von Möglichkeiten. Bürgers provokative Frage nach dem "Ursprung" des postmodernen Denkens beginnt bei der Hegelschen Philosophie des Todes, wie sie den französischen Intellektuellen vor allem durch Kojève vermittelt wurde, und untersucht die Rolle von Selbstmord, Opfer, Gewalt und Tod im politisch-ästhetischen Diskurs der dreißiger Jahre. Bürger zeigt, wie sich Bataille, Blanchot, Lacan, Foucault und Derrida im Kraftfeld dieses Denkens bewegen. Bürger zeichnet ein Bild der Postmoderne, in das die einander unversöhnlich gegenüberstehenden Positionen als Momente eingehen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.10.2000
Peter Bürger versucht in diesem Band, die Postmoderne durch den Blick auf ihre modernen Anfänge in "einem Kraftfeld zwischen Hegel und Surrealismus" neu zu situieren. Allerdings, so der Einwand der Rezensentin Britta Herrmann, rennt er dabei, nämlich mit dem Hinweis auf die Verwurzelung der Postmoderne in der Moderne, die eine oder andere offene Tür ein. Seine eigene Bestimmung der Postmoderne (gegen von ihm nicht näher benannte Auffassungen, die sie als "spielerisch heiter" definieren) bleibt, so ein weiterer Kritikpunkt der Rezensentin, unscharf. Dennoch will sie dem Buch seine Verdienste nicht absprechen: den Hinweis auf die "spezifische historische Konstellation" findet sie wichtig.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.05.2000
In einer kurzen Besprechung lobt der Rezensent mit dem Kürzel "gon." Peter Bürgers "anregenden" Essayband, der einem wenig beachteten Thema gewidmet sei: dem Einfluss des "surrealistischen Impulses" auf die französischen Intellektuellen. Der provokative Argumentationsfaden reiche bis hin zu Foucault und Derrida, wobei am "ertragreichsten" wohl die "Reflexionen" über Georges Bataille seien.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.04.2000
Ihre Wiedergabe der Grundthesen von Bürger lässt Kersten Knipp in eine überraschende Folgerung münden. Sie wünscht nämlich, dass es dem Autor gelingen möge, "in diesem Sinn auch eine entspannte postmoderne Politik populär zu machen". Überraschend ist dieses Ergebnis, weil die Rezensentin in ihrem Abriss zunächst vor allem die "finsteren Seiten der frühen postmodernen Regungen" würdigt, die Bürger in den Reaktionen auf den Ersten Weltkrieg ausmacht. Seine Gewährsmänner sind darin insbesondere Paul Valerys radikale Kritik an "Wissen und Pflicht", die bei Zustandekommen und Verlauf des Ersten Weltkriegs ihren Nutzen für ein ungeheuerliches Schlachten bewiesen haben. Desweiteren nähert sich Bürger, so Knipp, über die empörten Forderungen Breton`s und Batailles` nach "blutiger Erschütterung" und "gebieterischer Gewalt" dem Sündenfall der Anti-Moderne, die intellektuell in die "gleiche Katastrophe mündet" wie vor ihr die Moderne. Nach der Erwähnung von Maurice Blanchot und seiner Analyse des Endes jeder Sinnaussage wendet sich Knipp jedoch einer "kleinen Randnotiz" im Vorwort zu, in der Bürger den Habermasschen "philosophischen Diskurs der Moderne" erwähnt und meint, auch ihm ginge es um eine "gewissermaßen postmodern geläuterte Moderne", oder, in seinen eigenen Worten, um `das Durchschreiten einer Denkerfahrung, die das Selbstverständnis der Moderne dadurch bereichert, dass es sie erschüttert`. Hieraus schließt Knipp dann auf eine wünschenswerte "postmoderne Politik", die für sie offenbar als pragmatische, anti-sinnstiftende Politik schon existiert, der nur noch ein Begriff von sich selber fehle. Ob das vorliegende Buch von Bürger das tatsächlich nahelegt?
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Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen







