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Ernst-Peter Wieckenberg
Johann Heinrich Voß und 'Tausend und eine Nacht'
Johann Heinrich Voß als Übersetzer Antoine Gallands
Klappentext
Johann Heinrich Voß hat 1781 bis 1785, nach Abschluß der Arbeiten an der ersten Fassung seiner deutschen Odyssee, eine Übersetzung von Antoine Gallands Werk «Les mille et une nuit» in sechs Bänden vorgelegt. Er selbst hat sie später kaum mehr erwähnt, und die Voß-Forschung hat sie als unbedeutende "Brotarbeit" abgetan, wenn nicht ignoriert. Dabei war sie das einzige Werk erzählender Prosa, das Voß jemals veröffentlicht hat. Der Verfasser bietet eine knappe Einführung in das Gallandsche Werk und seine Wirkung und analysiert dann zum ersten Mal die Voß'sche Übersetzung.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.06.2003
Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich im strengen Sinne um eine komparatistische Untersuchung, im weiteren jedoch um einen kulturgeschichtlichen Vergleich, versichert Hanno Helbling. Es geht um die Anfang des 18. Jahrhunderts erschienenen "contes arabes", bei uns unter dem Titel von "Tausend und eine Nacht" bekannt. Während die französische Fassung von Antoine Galland dort heute noch in Ehren gehalten wird, gibt es von der deutschen Übersetzung des Bremers Johann Heinrich Voss kein Exemplar mehr, berichtet Helbling. Der Autor der komparatistischen Studie täte insofern gut daran, Voss erst einmal der deutschen Leserschaft vorzustellen. Das eigentliche Interesse des Autors ziele jedoch darauf ab, die Inkulturationsvorgänge näher zu betrachten, so Helbling. Anders als in Frankreich, wo sich die Kompetenz des Orientalisten mit einer moralistischen Literatur verbinden konnte, galt die Orientalistik in Deutschland weniger, wo man lieber das antike Erbe pflegte. So kam es dazu, referiert der Rezensent, dass die orientalische Literatur als literarische Fundgrube geplündert, aber nicht ernst genommen wurde. Um so mehr sei es wünschenswert, überliefert Helbling die Meinung Wieckenbergs, die hervorragende Übersetzung Voss' neu herauszubringen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.04.2003
Hätte ihn Goethe nicht als vorbildlichen Übersetzer Homers gepriesen, wäre Johann Heinrich Voß heute vermutlich völlig vergessen, greift Friedmar Apel eine These des Autors Ernst-Peter Wieckenberg auf. Dass sich Voß außer um die "Odyssee" auch um eine sechsbändige Ausgabe von "Tausend und eine Nacht" bemüht hat, wurde von dessen Zeitgenossen dann kaum noch gewürdigt. Nach Apel lautet eine der interessanten Thesen dieses Buches deshalb auch, dass die vielbeschworene Begegnung zwischen Okzident und Orient im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert in Deutschland nicht stattgefunden hat. Anders als in England und Frankreich habe sich hier die "Gleichrangigkeit der orientalischen und homerischen Erzählkunst" nie durchsetzen können, was Wieckenberg auf eine "humanistische Voreingenommenheit" zurückführe, berichtet Apel. So wirft auch eine "Rezeptionsgeschichte, die keine ist", ein bezeichnendes Licht auf unser Verhältnis zur Orientalistik, wobei sich der Autor mit solcherlei Andeutungen, so Apel, zart zurückhält.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.01.2003
Ernst-Peter Wieckenbergs Untersuchung über Johann Heinrich Voß als Übersetzer der Märchen aus 1001 hat Rezensent Friedrich Niewöhner vollauf überzeugt. Als "aufregende Lektüre" preist er Wieckenbergs Untersuchung, die von ihren spannenden Entdeckungen und ausgebreiteten Details lebe. Wie Niewöhner ausführt, geht Wieckenberg der Frage nach, warum Johann Heinrich Voß' Übersetzung von Antoine Gallands französischer Version von "Tausend und eine Nacht" bis heute in Vergessenheit geraten ist. Dem Autor gelingt es nach Ansicht des Rezensenten plausibel zu zeigen, dass dies mit dem Erstarken des Neuhumanismus von Johann Joachim Winckelmann und dessen Begeisterung für das antike Griechenland zu tun hatte. "Wer etwas auf sich hielt", erklärt Niewöhner, "wandte sich der klassischen Antike und dem Neuhumanismus zu, das Morgenländische und Orientalische vergaß man lieber." Dabei sei es für Wieckenberg gerade die "vorwinckelmannsche Philologie" gewesen, die eine unbefangene Beschäftigung mit dem Orient ermöglichte. Wieckenbergs Untersuchung schildert für Niewöhner die "Wiederentdeckung einer verschütteten Tradition oder auch, um mit Lessing zu reden, eine 'Rettung' des Johann Heinrich Voß und des für den Islam begeisterten achtzehnten Jahrhunderts."
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