Der Essayband informiert über den Stand und die Tendenzen der Antikerezeption in der deutsch-sprachigen Literatur der Gegenwart. Im Zentrum steht das anhaltende Wirkungspotential der antiken Tradition, ihre Lebendigkeit und Vielfalt. Dabei werden die unterschiedlichen Ansätze und Perspektiven im Zugriff auf die Antike herausgestellt. Die Beiträge behandeln Texte von Brasch, Braun, Fichte, Fried, Grün-bein, Hacks, Haefs, Handke, Jens, Köhlmeier, Kunert, Müller, Ransmayr, Schütz, Strauß und Wolf. Sie sind exemplarisch angelegt und schenken den Fragen der literarischen Form sowie der Funktion der Antikerezeption im Kontext des jeweiligen Gesamtwerks besondere Aufmerksamkeit. Zusätzlich zu den Essays (von Klassischen Philologen und Germanisten, die zum Gebiet der Antikerezeption einschlägig gearbeitet haben) sind programmatische Beiträge von den Autoren selbst, die eigens für diesen Band geschrieben und ausgewählt wurden, aufgenommen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.12.2002
Glücklicherweise ist das Buch nicht so hölzern wie sein Titel, hält der mlr. zeichnende Rezensenten eingangs fest. In Form von Textauszügen, Originalbeiträgen und Interviews, denen jeweils ein literaturwissenschaftlicher Essay zur Seite steht, versammelt die Anthologie laut Rezensent Standpunkte und Haltungen zur griechisch-römischen Klassik. Das Spektrum reiche dabei über Erich Fried, Heiner Müller und Christa Wolf zu den mittleren Jahrgängen von Peter Handke und Botho Strauss bis hin zur Nachkriegsgeneration mit Gisbert Haefs und Christoph Ransmayr. Der Rezensent hebt hervor, dass die Zugänge zur Antike naturgemäß so unterschiedlich wie die Werke der Schriftsteller seien, dennoch ziehe sich ein roter Faden durch alle Formen der Überlieferungsaneignung. "Das Bild der Alten und ihrer Mythen", erklärt der Rezensent, "ist immer auch das Selbstporträt eines Autors und seiner Zeit, Projektionsfläche und Artikulationshilfe für die Gegenwart".
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