Aus dem Französischen von Markus Sedlaczek. Allen Leidenschaften ist gemeinsam, auf etwas aus zu sein, das abwesend ist. Die leidenschaftliche Liebe verzehrt sich an einem unerreichbaren Objekt. Die Leidenschaften erzeugen einen Hunger, der gar nicht gestillt werden will und auch tatsächlich von keinem irdischen Genuss befriedigt werden kann. Wer von Leidenschaften ergriffen wird, verzehrt sich lieber in einem Traum, als sich seine Illusionen zerstören zu lassen. "Der von Leidenschaft Getriebene verurteilt sich dazu, auf immer abstinent zu sein."
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.11.2002
Bei uns ist der aus dem Umkreis des Poststrukturalismus stammende französische Philosoph Clement Rosset noch kaum bekannt, auch kaum übersetzt. So stehen deutsche Fassungen seiner Hauptwerke nach wie vor aus, der Berliner Merve-Verlag aber unternimmt erste Vorstöße von den Rändern her. Dieser Band ist eine Sammlung von fünf Essays, deren französische Vorlage erst vor einem Jahr erschienen ist. Diese Essays, findet Andrea Gnam, sind so "elegant geschrieben" wie übersetzt, also durchaus geeignet für einen ersten "Einblick" in das Denken des Philosophen. In dessen Zentrum steht die Unmöglichkeit, das "Reale", das immer das Einzigartige ist, zu erlangen, das man dennoch nicht zu begehren aufhören kann: dauerhafter Genuss des Gewünschten ist nicht zu haben. Das gilt, so Gnam, für die Liebe wie für das Streben des Philosophen nach Wissen. Ob man an dieser Erkenntnis freilich verzweifle oder darin gar "Trost" finde, das bleibt, meint die Rezensentin, jedem selbst überlassen.
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