Aus dem Englischen von Ango Laina. Nachts im London der vierziger Jahre: zwielichtige Clubs, Nutten, Trinker und verlorene Seelen. Unter ihnen Harry Fabian, ein aus dem Cockney Slum stammender mieser, kleiner Zuhälter, der die naive Zoe auf den Strich schickt und vom großen Geld träumt. Gemeinsam mit dem windigen Geschäftemacher Figler will Fabian Wrestling-Promoter werden. Das Animiermädchen Helen träumt vom eigenen Nachtclub, der arbeitslose künstler Adam will seine Pechsträhne als Kellner überbrücken. Sie alle begegnen sich irgenwann während einer endlosen Odyssey durch die Nacht. "Nachts in der Stadt" (1938 erstmals erschienen) ist ein Großstadtklassiker, der bereits zwei Mal verfilmt wurde. 1950 spielte Richard Widmark die Rolle des Harry Fabian in Jules Dassins gleichnamigen Noir-Klassiker, Robert De Niro übernahm diesen Part 1992 in Irvin Winklers Remake.
Gerald Kersh' Roman ist längst ein Klassiker. Er wurde bereits 1938 in Großbritannien veröffentlicht und in der Zwischenzeit zweimal verfilmt. Er spielt im winterlichen Milieu Londons, in dem alle Menschen nur auf der Jagd nach Geld sind, wie Lars Brinkmann in seiner Krimi-Kolumne "crime scene" berichtet. Nun wurde das Buch auch ins Deutsche übersetzt und der Rezensent versenkt sich in eine zeitlose Welt, in der die Gemeinschaft "nur noch im gegenseitigen Betrug eine erfüllende Aufgabe findet". So bemerkt Brinkmann auch nur drei Randfiguren, denen Geld gleichgültig ist. Ganz anders ist dagegen die Hauptfigur namens Harry Fabian, der - voller "irrwitziger krimineller Energie" - laut Brinkmann selbst seine Freundin verkaufen würde. "Kersh beobachtet nicht nur, er seziert seine Figuren und trägt Licht in die verborgenen Winkel, in denen sich Motive wie Abgründe auftun". Dabei habe der Autor seine jämmerlichen Versager wohl geliebt, meint der Rezensent.
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