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Klappentext
Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Ernst Osterkamp. Friedrich Gundolf (1880-1931), Germanistikprofessor an der Universität Heidelberg, war einer der berühmtesten Gelehrten der Weimarer Republik. Gundolf hat als Hochschullehrer die Geschichte der neueren deutschen Literatur auf nahezu enzyklopädische Weise in Vorlesungen und Einzelstudien vermittelt. Zu seinen Lebzeiten hat die breitere Öffentlichkeit von Friedrichs Gundolfs Neigung zu Wortspiel, Sprachwitz und intellektueller Albernheit nie erfahren. Mit Charme und virtuoser Schelmerei hat er als Parodie eine "Literärgeschichte" in Knittelversen verfasst, die ihn als einen geist- und lustvollen Sprachjongleur ausweist. Dieses subversive opusculum, welches in Abschriften in seinem Freundeskreis zirkulierte, wird dem geneigten Leser hier zum ersten Mal in Buchform präsentiert.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.08.2003
Begeistert ist Rezensent Stephan Schlak von der schon Anfang der 20er Jahre entstandenen "Literärgeschichte" von Friedrich Gundolf über die "literarischen Lämmer" des späten 19. Jahrhunderts. Der "heute vergessene" Autor sei "der berühmteste deutsche Germanist" seiner Zeit und ein "Höhenflieger des Geistes" gewesen, schwärmt der Rezensent. Er habe mit dieser Reimsammlung "einen Parforceritt in 32 Knittelversen durch die deutsche Literaturgeschichte von Luther bis Nietzsche" hingelegt. Viele der schärfer betrachteten Literaten von damals würden wir zwar heute kaum noch kennen. Die gereimten Anspielungen auf Goethe oder Luther verstünde der heutige Leser aber auch ohne "Gundolfs universale Bildungswelt" sofort.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.06.2003
Rezensent Kurt Flasch möchte von jetzt an zwar eine Flasche Wein für Herausgeber Ernst Osterkamp reservieren, der Gundolfs Literärgeschicht seiner Ansicht nach gelehrt und doch leicht gestaltet hat. In seiner altväterlich umständlich formulierten Rezension gibt der Rezensent aber auch seine Irritation darüber kund, wie denn Gundolf Literaturhistoriker und gleichzeitig Nicht-Historiker sein könne, wie er vom Herausgeber offensichtlich vorgestellt wird. Beim vorliegenden Werk muss es sich um eine ziemlich seltsame Blüte der Gelehrsamkeit handeln. Wir lesen, dass diese Literaturgeschichte in Knittelversen verfasst worden ist. Besonders ein Gedicht, indem sich Gundolf von Jean Paul zu distanzieren versucht, lohnt Flasch zufolge die ganze Publikation. Der Rezensent umreißt die Aufgabe, die sich der Germanist und George Schüler Gundolf mit diesem Buch gestellt hat als "das Herausarbeiten der bleibenden sprachlichen Form und der in ihr liegenden lebensführenden Kraft" der Literatur: "ohne Biografie und ohne Anmerkungen". Dies erklärt dem Rezensenten zwar den "hohepriesterlichen Gestus" Gundolfs. Gleichzeitig macht es für ihn jedoch "die heimliche Parodie noch rätselhafter", um die es sich hier auch zu handeln scheint.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.02.2003
Reichlich kurios findet Rezensent Jochen Hörisch die nun erschienenen zweiunddreißig knittelversigen Gedichte des Germanisten Friedrich Gundolf (1880 - 1931), die er 1921 unter dem Titel "Deutsche Literärgeschicht - Reimweis kurz fasslich hergericht" Freunden weiterreichte, aber nie zu veröffentlichen gedachte. Der in Heidelberg lehrende und zum engeren Stefan George-Kreis zählende Professor beginnt seine Literaturgeschichte mit Luther: "In Luther klafft zuerst der Spalt / Von Seelenheil und Weltgestalt", wie Hörisch den Autor zitiert. Zu Goethes Faust fällt Gundolf folgendes ein: "Des Menschen Weltigung und Heil / Als Maskenzug: Faust zweiter Teil." Das hat für Hörisch "Reich-Ranicki-Format". Sein Urteil fällt dementsprechend aus: "Starker Zugriff, prägnante Formulierungen, immer feste am Schema Leben und Werk orientiert, für gefällige Provokationen offen und - gerade in dem Maß gänzlich unoriginell, wie es keck daherkommen will." Dass Gundolfs Literaturgeschichte nicht aus der Feder eines Literaturkritikers, sondern aus der eines der bedeutendsten George-Jüngers stammt, macht es nach Ansicht von Hörisch zu einem "erstaunlichen Dokument".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.11.2002
Friedrich Gundolf war der berühmteste Germanist zwischen den beiden Weltkriegen, klärt uns Heinz Schlaffer auf. Damals liebte man seine heroisierenden Darstellungen der großen Dichter, während man sie heute wegen ihres Pathos nicht mehr mag. Vielleicht war es für Gundolf befreiend, mutmaßt Schlaffer, sein Fachgebiet in Knittelversen darzulegen. Er tat dies zwar nur für einen kleinen auserwählten Freundeskreis, berichtet der Rezensent, aber immerhin sei auf diese Weise die einzige deutsche Literaturgeschichte - von Sachs bis Nietzsche - in Reimform entstanden. Eine Humoreske, die für Schlaffer ernst und komisch zugleich klingt, sich als Parodie zeigt und den Kern der Sache trifft. "Eine Wahrheit wird nicht dadurch weniger wahr", orakelt Schlaffer, "dass sie lustig formuliert ist". Im Gegenteil, seiner Meinung nach kommen die Eigenarten der deutschen Literatur so wesentlich mehr zur Geltung als in langwierigen akademischen Vorträgen. Nur vor seinem eigenen Gott, dem Dichter George, hat Gundolfs Spott- und Reimlust gekniffen. Wer im übrigen von dieser profitieren will, sollte Kenntnisse in Literaturgeschichte mitbringen, merkt Schlaffer an.
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