In der deutsch-jüdischen Kultur, Kulturphilosophie und Kulturkritik des frühen 20. Jahrhunderts finden sich zahlreiche Beispiele für apokalyptische Denkformen. Als Ideen einer Endzeit - und damit dem Ende von Geschichte - stehen sie im Gegensatz zur Erinnerung, der es um Bewahrung und Kontinuität der Geschichte geht. Die Beiträge untersuchen, auf welche Weise apokalyptischem Denken und Erinnerung eine Sprache gegeben wird und werfen ein facettenreiches Licht auf die Beziehung von Apokalypse und Erinnerung.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.11.2002
Eigentlich stünden Apokalypse und Erinnerung konträr zueinander, meint der mit "mim" zeichnende Rezensent. Der Erinnerung sei es darum zu tun, das Vergangene zu bewahren, wäre also positiv und zukunftsgerichtet, während der Apokalyptiker der Destruktivität huldige, indem er die als korrupt erfahrene Wirklichkeit der Vernichtung anheim gebe. Die Herausgeber des von "mim" angezeigten Bandes, Ergebnis zweier Kolloquien zu "Judentum - Christentum" und "Erinnerungskultur", sind offensichtlich anderer Ansicht gewesen; denn beide Haltungen zielten trotz verschiedener Vergangenheitsbezüge auf die Gegenwart, erläutert "mim", auf deren Deutung, auf Sinnkonstruktion. Weder könne der Apokalyptiker völlig auf Erinnerung verzichten noch der Konservierer des Vergangenen völlig das Vergessen aussperren. Insgesamt zehn Beiträge enthält der Band, die "mim" allesamt beweisen, wie produktiv und aktuell theologische Reflexion sein kann.
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