Iring Fetscher (geb. 1922) lehrte von 1963 bis 1987 Politikwissenschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/M. Seine Studien zu Rousseau, seine Forschungen im Umfeld des westeuropäischen Marxismus, sein Einsatz gegen Konservatismus und Technokratie und sein menschenrechtlicher Humanismus machen ihn zu einem streitbaren Intellektuellen, seine Märchenbücher zu einem bekannten Schriftsteller. Der Reichweite seines Schaffens und Wirkens gemäß sind in dieser Festschrift zu seinem 80. Geburtstag Beiträge von Weggefährten und Freunden versammelt, die Anstöße geben wollen für ein weiteres Gedeihen zentraler Aspekte seines Denkens. Diskutierte Themen sind u.a. die Menschenrechte, Probleme der Globalisierung, der moderne Kulturkonflikt und die Zukunft der Demokratie. Mit Beiträgen von Leszek Kolakowski, Erhard Denninger, Wolfgang Huber, Oscar Negt, Dieter Senghaas, Erhard Eppler, Ernst Gottfried Mahrenholz, Herfried Münkler, Walter Euchner, Thomas Meyer, Jürgen Kocka, Axel Honneth.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.10.2002
Die von Herfried Münkler und anderen herausgegebene Festschrift zu Iring Fetschers befasst sich mit einigen Reizthemen der heutigen Gesellschaft, informiert Anette Bingemer. Bei den dem Politikwissenschaftler gewidmeten Aufsätzen zu den Fragekreisen "Kulturkonflikt und Identitäten", "Globalisierung, Menschenrechte, Völkerrecht" sowie "Die Zukunft der Demokratie" handle es sich überwiegend um Originalbeiträge. Neben Herfried Münklers Beitrag über den schleichenden Bedeutungsverlust der Parlamentsdebatten und die Ausrichtung der Politiker nach ihrer Medienwirkung und Gottfried Mahrenholz Beitrag über die Länge der Öffnungszeit des Wahllokals am Wahltag als Indiz für die Achtung des Souveräns durch den Gesetzgeber erwähnt Bingemer auch Thomas Meyers Aufsatz zum Begriff "Parallelgesellschaft" sowie Jürgen Kockas Ausleuchtung des Begriffs der Moderne auf einen universalen Anspruch. An Hand von Axel Honneths abschließenden Beitrag über Gesellschaftskritik im Zeitalter des normalisierten Intellektuellen könnte man, so Bingemer abschließend, Fetscher als einen Intellektuellen identifizieren, "der sich zwar vorzugsweise mit denjenigen Staatstheoretikern befasste, welche die Gesellschaft ihrer Zeit von Grund auf kritisierten und sich dabei in einer Randstellung verstanden - der sich selber jedoch stets von der Mitte der Gesellschaft aus einmischte".
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