Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Gustav Roßler. Wenn Molekularbiologen heute über "Leben" schreiben, benutzen sie das Vokabular der Informatiker: Es geht um Codes, Entschlüsselungen oder Programme... Wie sind diese Redeweisen entstanden? Lily Kays Buch erzählt, wie sich die Genetik seit Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts zusammensetzte. Kay zeigt, warum wir heute das Leben als verschlüsselte Information verstehen - gegründet auf diese mächtige Metapher, die auch die gegenwärtige Idealisierung der Genforschung produziert.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.01.2003
Ein spannendes Buch zur jüngsten Wissenschaftsgeschichte stellt Manuela Lenzen vor - nur manchmal, findet sie, trage Kays poststrukturalistischer Ansatz etwas zu dick auf. Kay rollt anhand der Wissenschaftsmetapher vom "genetischen Code" die Geschichte der Genomforschung auf. Die Vorstellung, man könne die DNS wie ein "Buch des Lebens" lesen, sei zwar heute gängige Wissenschaftssprache, berichtet Lenzen, aber das war keineswegs immer so. Erst mit dem Einbruch der Informationstheorie in die Mikrobiologie Ende der fünfziger Jahre beginne die Erfolgsgeschichte dieser Metapher und eines ganzen Forschungszweiges, den Kay mit vorsichtiger Distanz als "militärisch-industriell-akademischen Komplex" der Lebenswissenschaften in den USA bezeichne. Auch wenn uns diese Metaphern eingängig erscheinen mögen, warnt Lenzen, so sei die Lektüre von Kays Buch kein vergnüglicher Spaziergang durch die Wissenschaftsgeschichte. Es sei vielmehr ein Buch "für diejenigen, die es genauer wissen wollen". Dabei sei sich Kay der Komplexität des Themas durchaus bewusst: je mehr man über das menschliche Genom erfährt und forscht, desto klarer würde auch, lautet Lenzens Resümee, dass sich das "Buch des Lebens" gar nicht so einfach lesen lasse.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2002
Auffällig viele Metaphern aus dem Bereich von Sprache und Kommunikation geisterten von Anfang an durch die Molekularbiologie und führten sogar zu manch falscher Annahme, schreibt Diemut Klärner in ihrer Rezension dieses Buchs der unlängst verstorbenen englischen Wissenschaftshistorikerin Lily E. Kay. Kay hatte ursprünglich als Molekularbiologin gearbeitet, bevor sie zu schreiben begann. Lange versuchte man die Geheimschrift der DNA zu entziffern, als handele es sich um die Chiffrierkünste des KGB, berichtet Klärner amüsiert. Doch die DNA gehorchte keinen derartigen Regeln, es bedurfte der Biochemie zur Entzifferung des menschlichen Genom. Die Autorin hinterfragt die Terminologie, ihren Bedeutungswandel und manch fragwürdige Analogie: eine lohnenswerte Lektüre für alle, die ein Unbehagen an der Welt der Molekularbiologie verspüren, meint Klärner. Leider werde einem die Lektüre vermiest durch den spröden Stil und den wissenschaftlichen Fachjargon, die durch die Übersetzung noch weniger elegant und verständlich wirkten, schließt die Rezensentin.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.10.2002
Diesen Band der vor zwei Jahren verstorbenen Biologin und Wissenschaftshistorikerin Lily E. Kay bezeichnet Thomas Fechner-Smarsly überzeugt schon jetzt als "Klassiker der Wissenschaftsgeschichte", womit der Rezensent sein ganzes Lob und seine Bewunderung für Autorin und Werk zum Ausdruck bringt. Was ihn an Kays Abhandlung über den "hochkomplexen" Prozess der Erforschung des menschlichen Erbguts besonders beeindruckt, ist einerseits die "Leichtigkeit", mit der Kay verschiedene Ansätze von Mathematikern, Kybernetikern, Molekularbiologen, Biochemikern und Kommunikationstheoretikern zum Thema entwirre und dem Leser verständlich nahe bringe, ohne dabei auch nur einmal unpräzise zu werden. Zum anderen schwärmt der Rezensent von der "Klarheit", mit der Kay - auch für Laien - den wesentlichen "Umbruch", der sich in den Lebenswissenschaften in den fünfziger und sechziger Jahren vollzogen hatte, verdeutliche. Allerdings, mutmaßt Fechner-Smarsly, werden sicher die Leser enttäuscht sein, die eine generelle "Geschichte des genetischen Codes" lesen wollten. Denn Kay habe sich vornehmlich darauf konzentriert, die Geschichte "eines bestimmten Modells und seiner durchschlagenden Wirkung", das nämlich der genetischen Struktur des Menschen als Text, zu rekonstruieren und kritisch zu durchleuchten.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Von Lesern empfohlene Bücher
Peter Nadas: Parallelgeschichten
Aus dem Ungarischen von Christina Viragh. 1989, im Jahr des Mauerfalls, findet der Student Döhring beim Jogging ...
Klaus-Michael Bogdal: Europa erfindet die Zigeuner
Geborene Diebe und Lügner, Gefährten des Satans, Waldmenschen, unzähmbare Wilde, eine Bande von ...
Archiv: Bücherschauen
Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen







