Zu Faust gehört die Unzufriedenheit mit der gegebenen Welt und der Wunsch, sie nach seinen Bedürfnissen zu verändern, auch wenn dies mit großen Risiken verbunden ist. Die vorliegende Interpretation zeigt, wie Goethe diese Thematik aus der frühen Neuzeit in seinem Werk modifiziert und sie angesichts der modernen Zeit mit ihren damals bereits absehbaren technischen und gesellschaftlichen Perspektiven "durchspielt". Dabei geht es vor allem um die Frage, welche Folgen es für Natur und Menschen haben wird, wenn sich die faustische Ideologie in der Geschichte durchsetzt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.10.2002
Die von Alwin Binder in dialogischer Form präsentierten Interpretationen zu Goethes Faust sind bei dem "pzz" zeichnenden Rezensenten ziemlich gut angekommen. Der unübliche Weg, den Binder mit seinem Werk geht, indem er Faust als "work in progress" versteht und interpretiert, ist für den Rezensenten eine äußerst gelungene Methode, die verschiedenen Entwicklungsstufen Stücks auch für Nichtgermanisten verständlich zu machen. In diesem "angenehm-lockeren Lehrgespräch" zeigt sich die "lebenslange didaktische Erfahrung" des Autors, so "pzz" in seiner kurzen Rezension. Hiermit reihe sich Binder in die heute vorherrschende Gesamttendenz ein, Goethes Faust von seinem hohen Ross herunterzuholen und einer "vielseitigen Kritik am modernen Menschen" zuzuführen.
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