Bücher der Saison
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Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Maria Carlsson. Zunächst 12 Stories, viele davon in nostalgischer Rückschau auf die freizügigen sechziger Jahre ("Ich konnte mich gefahrlos nachts um eins mit einer Frau verabreden, weil ich wußte, daß ihr Mann dann mit meiner Frau schläft"), Erinnerungen an die Mutter, den Vater, die Katzen der Kindheit, auch eigenwillige psychologische Stücke wie die vom Spiegel vorab gedruckte "Metamorphosis". Höhepunkt ist Rabbit Remembered, eine weitere Folge der Familiengeschichte der Angstroms, ohne den toten Helden in persona aber als stets gegenwärtigen, mit einem virtuosen Thanksgiving Dinner, das vom freundlichen Plausch zu heftigem Familienstreit eskaliert.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.03.2003
Mit "Rabbit, eine Rückkehr" wagt John Updike nach Angaben von Rezensent Thomas Hermann ein Experiment und bleibt sich und dem Rabbit-Konzept dennoch treu. In jedem Band wird anhand der Lebensgeschichte des Titelhelden eine Art Bilanz gezogen über ein zu Ende gegangenes Jahrzehnt, diesmal die neunziger Jahre, wobei Harry Angstrom, genannt Rabbit, der jetzt tot ist, als Figur nicht mehr vorkommt, berichtet Hermann. Aber die Geschichte muss Weitergehen, und so treffen sich zehn Jahre nach Rabbits tödlichem Infarkt die Hinterbliebenen Ende 1999 in Brewer, Pennsylvania, wo sie lustlos dem neuen Millennium entgegendümpeln. Dabei lasse Updike seine Figuren viel über Sex reden und sinnieren. "Doch das zwischenmenschliche Klima", so Hermann, "ist geprägt von Gefühlskälte, und die Charaktere festigen mit verbissener Konsequenz den Eispanzer um sich herum." Das Bild einer aus verstörten Individuen bestehenden Gesellschaft gewinnt für Hermann durch Einblicke in den Beruf von Rabbits einst drogenabhängigen Sohn, der nun im lokalen Therapiezentrum als Therapeut arbeitet, zusätzlich an Tiefenschärfe. Wenig überzeugend findet Hermann allerdings das schließlich "unerwartet hereinbrechende" Happy End, das wie ein "schlechter Scherz" wirke. Zu sehr widerspreche die plötzliche harmonische Wende der nach über 200 Seiten aufgebauten emotionalen Starre der Protagonisten.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.11.2002
Es ist ein "altersmildes" Buch, merkt Gerrit Bartels an, nicht frei von Melancholie. Aber wie auch, möchte man fragen, da Updike seinen bereits gestorbenen Mehrfachhelden Rabbit indirekt wiederkehren lässt und jede Menge Erinnerungen an ihn freisetzt. Bartels schildert einen ebenso banalen wie raffinierten Schachzug des Autors: eine uneheliche Tochter Rabbits taucht zehn Jahre nach dessen Tod bei seiner wiederverheirateten Frau und dem frisch getrennten Sohn auf. Gelegenheit pur, so Bartels, ihr Leben nach Rabbit, gespickt mit hübschen Details aus dem amerikanischen Kleinstadtleben, Revue passieren zu lassen. Das alles absolviere Updike mit so lässiger, routinierter Hand, findet Bartels, dass man erstaunlicherweise sogar wissen möchte, wie es diesen Rabbit-Nachfahren weiterergeht.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.11.2002
Zunächst ein großes Lob, eine ausführliche Würdigung der Updikeschen Figuren in all den Rabbit-Romanen zuvor, dann eine deutlich weniger enthusiastische Kritik von Dieter E. Zimmer: "matt" hat er diesen letzten Rabbit-Roman gefunden im Vergleich mit den früheren (auf deutsch: "Hasenherz", "Unter dem Astronautenmond", "Bessere Verhältnisse", und "Rabbit in Ruhe"). Das Personal, so Zimmer, sei immer dasselbe, eine Familie der amerikanischen Mittelschicht, die auf ihren verschlungenen, meist banalen Lebenswegen gezeigt werden. Diese Leute, so Zimmer im lobenden Teil seiner Besprechung, seien "zwar oft hart, naiv, borniert, egoistisch, materialistisch und unmusisch, aber auch großmütig, uneitel, selbstkritisch und ganz und gar nicht flach". Zimmer vermutet, dass der Autor sie in diesem wohl letzten Roman der Reihe "mit sich und dem Leben einigermaßen versöhnen wollte", und findet genau darin auch den Grund für das wenig Gelungene des Romans, dass "die Beleuchtung plötzlich ins Rosige wechselt". Man fühlt, wie gern Zimmer die anderen Rabbit-Romane gelesen hat, und wie seine Erwartung hier enttäuscht wurde.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2002
Patrick Bahners findet nichts, was er kritisieren könnte an diesem Buch. Er zitiert Martin Amis, der John Updike einmal als Schriftsteller bezeichnet hat, der mehr oder weniger alles könne, was er wolle. Bahners schließt sich dieser Respektbezeugung an. Auch im fünften Teil der Rabbit-Reihe, der zehn Jahre nach dem Ableben des Protagonisten Harry Angstrom spielt, hält Updike sein Niveau, befindet Bahners. "Leichthändig kommen diese Variationen über die Leitmotive der Tetralogie daher, Fingerübung eines Virtuosen, der nicht mehr üben muss." Updike nimmt viele der losen Fäden auf, die im Laufe der vorhergegangenen vier Bände entstanden sind. So taucht etwa Ruth plötzlich vor der Haustür der Familie auf, das Mädchen, von dem Harry "Rabbit" Angstrom zeit seines Lebens versucht hat herauszufinden, ob sie seine Tochter sei, die ihm seine Geliebte verheimlicht hat. Bahner attestiert Updike auch nach vier Romanen eine immer noch bestechende Kondition und schlägt deshalb vor, den ihm zu verhalten formulierten Titel zu ändern. Sein Wunsch: "Rabbit, ein Comeback".
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