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zuletzt aktualisiert 03.02.2012, 14.00 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Girolamo Savonarola

O Florenz! O Rom! O Italien!

Predigten, Schriften, Briefe

Cover: O Florenz! O Rom! O Italien!

Manesse Verlag, München 2002
ISBN-10 3717520040
ISBN-13 9783717520047
Gebunden, 768 Seiten, 24,90 EUR

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Klappentext

Aus dem Lateinischen und Italienischen übersetzt und mit einem Nachwort von Jacques Laager. Von seinen Gegnern als Fanatiker geschmäht, für Luther ein Heiliger: Leidenschaftlich attackierte Girolamo Savonarola den von politischen Krisen erschütterten Zeitgeist, griff energisch nach der Macht und wurde dafür als Ketzer verbrannt. Zu seinem 550. Geburtstag erscheinen - größtenteils in deutscher Erstübersetzung - ausgewählte Werke dieser prägenden Gestalt des Humanismus. Diese textbegleitend kommentierte Werkauswahl zeigt den Ausnahmemenschen Savonarola in seiner ganzen Ambivalenz: Mit aller Macht, ja mit an Fanatismus grenzender Rigorosität kämpft er darum, aus Florenz das neue Jerusalem zu machen - und wird so zum Stachel im Fleisch seiner Kirche.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.12.2002

Nicht zufällig nennt Otto Kallscheuer den Volkstribun, Republikaner und Dominikaner Savonarola mit einem anderen politischen Intellektuellen und Reformer seines Jahrhunderts: Nikolaus von Kues alias Cusanus. Beide strebten eine Reform der Kirche und damit die politische Erneuerung Europas an, schreibt Kallscheuer, Cusanus "von oben" und Savonarola "von unten" - beide vergebens. Savonarola lebte ein knappes halbes Jahrhundert später als Cusanus, damals war Rom bereits ein Sündenbabel und kein Hort der Hoffnung mehr, was den puritanischen Prediger zu glühenden Reden wider den Machtmissbrauch durch die Kirchenoberen trieb. In diesen düsteren und apokalyptischen Visionen müsse man dennoch ein frühes Zeugnis "christlicher Bürgerfreiheit" erblicken, meint Kallscheuer. Savonarola setzte sich für die Demokratisierung und Unabhängigkeit der Stadtrepubliken ein, wofür er später mit dem Leben bezahlte. Der von Jacques Laager herausgegebene Band enthält in chronologischer Reihenfolge Auszüge aus Savonarolas Schriften; Kallscheuer notiert mit Genugtuung, dass Savonarolas "Philippika wider den Tyrannen" in der Auswahl vertreten ist.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.10.2002

Der Bußprediger Savonarola, meint der Rezensent Michael Stolleis, wäre ein würdigerer Kandidat zur Heiligsprechung als der Gründer von Opus Dei. Das sieht die Kirche, die ihn einst exkommunizierte, wohl nach wie vor anders. Der Band mit ausgewählten Predigten, Schriften und Briefen stellt, so Stolleis, die Wirkung des Kämpfers für die Sache Christi deutlich vor Augen. Savonarola plante eine Gottesstadt auf Erden, von der Florenz vor 1500 weit entfernt war, der Entwurf erweist sich als Exempel eines - keineswegs häretischen - "theologisch-utopischen Denkens", dem alles strategische Vorgehen auf so entschiedene wie zuletzt tödliche Weise undenkbar blieb. Ausdrücklich gelobt wird die "lebendige Übersetzung" von Jacques Laager.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.10.2002

Das Emphatische des Titels hat der Rezensent Volker Breidecker auch in den Predigten Savonarolas gefunden, denen er "manch bezaubernde und auch drastische Nachrichten aus dem florentinischen Alltag" entnommen hat. Zu Anfang seiner Besprechung macht er den Leser zunächst mit der Geschichte des als Symbol des Fanatismus in die Annalen eingegangenen florentinischen Dominikanermönchs bekannt, stellt dann aber den Gegensatz zum Klischee heraus, der ihm bei der Lektüre dieser Schriftzeugnisse aufgefallen ist. Denn "bei aller Strenge der Aussagen besticht ein eigenwilliger, überaus sinnlicher, manchmal verträumter Ton", schreibt Breidecker und findet, dass mit dieser Ausgabe ein erster Schritt "zur Entdämonisierung" Savonarolas getan ist.

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