Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Roger Willemsen
Deutschlandreise
Klappentext
Wochenlang reiste Roger Willemsen im Sommer 2001 und im Frühjahr 2002 durch Deutschland und berichtet von seiner Entdeckungsfahrt, die kreuz und quer von Kap Arkona bis nach Konstanz, von Bonn nach Berlin, von Oberstdorf nach Rostock führte. Ausseinen Beobachtungen, Begegnungen und Erfahrungen entwirft er ein facettenreiches Deutschlandbild, in dem wir uns selbst wiederfinden können. Ob an den Graffiti in der Rostocker Uni, bei Schachspielern an der Brücke von Remagen, auf dem Parkplatz amKreidefelsen von Rügen, bei einer Abitursfeier in Bonn oder im Umkleideraum eines Supermarkts in Mönchengladbach - Willemsen sucht nicht die große politische Sensation oder die rührende persönliche Geschichte; er sucht etwas, das man schwer findet, weil es perfekt getarnt ist, es liegt nämlich überall offen da - die Normalität.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.11.2002
Im Grunde rechne Willemsen mit sich und seiner aktiven Rolle im deutschen Fernsehgeschäft ab, meint Christoph Bartmann, denn darauf läuft Willemsens Deutschlandbesichtigung für ihn immer wieder hinaus, ein ständiges Lamento, was das Fernsehen alles anrichtet und zerstört. Willemsen selbst habe vor kurzem die Konsequenz daraus gezogen und dem TV-Betrieb den Rücken gekehrt. Willemsen gerieten nur scheußliche Orte und hässliche Menschen ins Visier, wundert sich Bartmann und meint einen bildungsbürgerlichen Dünkel gegenüber der breiten Bevölkerung bei ihm feststellen zu können. Nicht Neugier, sondern eher Verzweifelung hätten ihn also herumgetrieben, einen Frühling und einen Sommer lang mit dem Zug quer durch Deutschland, immer verzweifelter und immer trauriger werdend. Schreiben allerdings kann Willemsen, gibt Bartmann zu und notiert einen gewandten Ausdruck und eine wache Intelligenz. Warum der Autor aber sein "Schreibtalent unbedingt an eine Freakshow verschwenden will", leuchtet Bartmann nicht richtig ein.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.10.2002
In dieser Deutschland-Collage erkundet Roger Willemsen die Republik, berichtet Rezensent Tobias Gohlis. Kreuz und quer ist Willemsen dafür herumgefahren, von Sylt bis zur Wieskirche, und hat alles aufgeschrieben. Gefunden hat er vor allem eines, so Gohlis, "ein Konglomerat von Einkaufszentren, falschen Versprechen und Hässlichkeit." Wie alle an Deutschland Leidenden schreibe Willemsen aus Liebe zu Deutschland. "Doch seine Liebe ist nicht vergeblich", erklärt Gohlis, "sondern von vorneherein unmöglich." Denn Willemsen will nach Auffassung von Gohlis gar nicht das Deutschland finden, das er sucht. Sonst hätte er eine andere Reisemethode gewählt, ist sich der Rezensent sicher. Eine, die ihn hätte offen werden lassen. So aber verpanzere er sich gegen "jedes Erstaunen und jede Erschütterung" und habe alles unter "Falschheitsverdacht", klagt Gohlis. Für ihn nimmt sich Willemses Deutschland-Collage in manchem aus wie Terry Pratchetts Science-Fiction-Konstruktion einer zweidimensionalen Scheibenwelt: "Keine Geschichte, kaum Tiefe, grandiose Fläche, beschränkt und doch genial entworfen."
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