Bücher der Saison
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Klappentext
Aus dem Japanischen von Anita Brockmann. Als Takashi erfährt, daß er HIV-positiv ist, reist er mit zwei Freunden in ein Land, wo man den Göttern näher ist: nach Ägypten, Reich der Toten und der Sonne in einem. 'Sly', nach dem gleichnamigen Song von Massive Attack, ist eine berückend sinnliche Meditation über die Liebe, das Leben und den Tod.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.12.2002
Banana Yoshimotos "ungefilterter" Aidsroman "Sly" hat Rezensent Steffen Gnam vollauf überzeugt. Gnam charakterisiert die Autorin als "professionelle Katastrophenfetischistin", die - angstfrei im Umgang mit dem Trivialen - zielsicher den Nerv der Generation und den Zeitgeist unbestimmter Ängste zu treffen suche. Das ist Yoshimoto mit ihrem Roman um den aidsinfizierten Takashi, der mit seinen beiden Freunden und Ex-Liebhabern Kiyose und Hideo nach Ägypten reist, wieder einmal bestens gelungen, meint Gnam. In der Art, wie Yoshimoto ihre gebrochenen Helden in der schillernden Anderswelt ihrer Romane zur Katharsis führe, liegt für Gnam "die Sogkraft ihres Schreibens". Auch ohne klassisches Happy-End und ohne die Ergebnisse der Aidstests ihrer Protagonisten nach deren Heimkehr zu offenbaren, lobt Gnam, "versteht die Autorin die Kunst, bei ihren popkulturellen Porträts verlorener Menschen zwischen den Zeilen Optimismus zu verbreiten".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.10.2002
Von den Büchern Banana Yoshimotos kann Susanne Messmer gar nicht genug kriegen. So ist sie heilfroh, dass es endlich Neues von der 1964 geborenen Japanerin zu lesen gibt. Nur schade, so Messmer in ihrer kurzen Besprechung, dass man durch den "bedauerlich kurzen und angenehm unaufdringlichen Roman" so schnell "hindurchfällt", und sich sofort nach mehr sehnt. Die Geschichte über Freundschaft, Homosexualität und HIV-Infizierung thematisiert nicht mehr vordergründig die Zerrissenheit zwischen Popkultur und Tradition, erklärt Messmer, sondern versucht zu zeigen, dass der "Schock des Verlusts" nicht mehr so groß ist, wenn man sich in der Zerrissenheit der Moderne eingerichtet hat.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.10.2002
Der Grund, warum Haruki Murakami und Banana Yoshimoto in Europa solchen Erfolg haben, liegt für Ludger Lütkehaus darin begründet, dass die beiden japanischen Autoren die Klischees von Kirschblütenpoesie und meditativer Stille durchbrochen haben und einer an westlichen Standards orientierten jüngeren Generation ihre Stimme leihen. Für beide Autoren spielt die Popmusik eine zentrale Rolle; in diesem Fall heißt der Roman nach einem Song von Massive Attack, berichtet Lütkehaus, der für ihn den Resonanzraum eines diffusen Lebensgefühls darstellt, das mit dem Wörtchen "irgendwie" am besten umschrieben sei. Eine Literatur, die von "ihren Unschärferelationen lebt", rangiert immer wieder am Rande des Kitschs, weiß auch Lütkehaus. Die Autorin als Weichzeichnerin, die die schlimmen Seiten des Lebens mit sanften Farben und Bildern kompensiert. Denn Yoshimoto hat sich vom Image der Coolen verabschiedet, stellt Lütkehaus fest, sie habe sich thematisch fundamentalen Fragen wie dem Tod zugewandt. Eine Gruppe von Freunden, die sich einem Aidstest unterziehen musste, fährt, noch ohne Ergebnis, nach Ägypten, ins Land der Totenkultur, das "irgendwie" Hoffnung verspricht. Der humane Umgang der Freunde untereinander tut es für Lütkehaus im übrigen auch.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.10.2002
Viel kann Sigrid Scherer mit Banana Yoshimoto offenbar nicht anfangen. Sie fabriziere Fluchtträume, Fluchträume, sagt sie, und zwar fast wie am Fließband. Jahr für Jahr erscheine ein neuer Roman der japanischen Kultautorin, die Scherer als "Meisterin trivialer Arrangements" bezeichnet, weil sie massenkulturelle Formen und Phänomene geschickt verarbeite. Die Naturbeschreibungen seien reduziert, die Figuren seltsam ungeschlechtlich oder asexuell, sie erinnern Scherer an die Shojo-Mangas, die japanischen Mädchen-Comics. Wie immer in Yoshimotos Büchern gehe es um Liebe, Tod, Krankheit, Freundschaft; nur diesmal führt der Roman zwischendurch nach Ägypten - "ein kalkulierter Trip ins Vergessen", ins Kindliche, behauptet Scherer. Anders als die hiesigen Popoliteraten weigere sich Yoshimoto, so die Rezensentin, die Welt überhaupt wahrzunehmen; sollte man ihr doch mal zu nahe rücken, bieten sich für einen solchen Fall Yoshimotos Bücher an - Scherer vergleicht sie mit einer Platte, die man sich auflegt, zum Vergessen, zum Träumen.
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