Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Marcus Ingendaay. Nach dem Erzählungsband "Kleines Mädchen mit komischen Haaren", der mit großer Begeisterung von Presse und Leserschaft aufgenommen wurde, folgt hier die jüngste Veröffentlichung des gefeierten amerikanischen Autors. Die Storys beschreiben Landschaften und Geisteszustände, die einem bekannt und zugleich gänzlich fremd vorkommen: Ob einen Jungen auf dem Sprungbrett lähmende Angst überfällt oder eine unter Depressionen leidende Frau auf Anraten ihrer Therapeutin alte Freunde lediglich als Bezugssystem sehen soll - fast fröhlich stehen die Figuren am Abgrund und erkennen nicht, was sie treibt...
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.12.2002
Von den "Stümmelresten" der Liebe, von "Zwangsfantasien, Tricks, um Frauen flachzulegen, Psychogewäsch" lässt David Foster Wallace seine "fiesen Männer" reden, berichtet Rezensent Alex Rühle. Die Krüppel, die in Wallace' Band "Kurze Interviews mit fiesen Männern" zu Wort kommen und doch "so niederschmetternd sprachlos bleiben", seien nicht der Bodensatz der Gesellschaft, erklärt Rühle, Wallace buchstabiere nur aus, was sonst meist im Bodensatz des Vorsprachlichen versickere. Begeistert hat Rühle insbesondere Wallace' erzählerisches Können, das "suggestive, süffisante, oftmals sarkastische Erzähl- und Fabulierlust" einerseits und die "kühle Tüftelarbeit eines Anatomen" andererseits "kunstvoll" ins eins schlinge. Als "Glücksfall" würdigt Rühle dabei die Übersetzung von Marcus Ingendaay, der sich bewundernswert mimetisch Wallaces verschiedenen Sprach-Spielen angleiche. Insgesamt herrscht nach Rühles Empfinden eine "neonkalte Traurigkeit" in diesen Interviews, die ihn an Houellebecqs "Ausweitung der Kampfzone" erinnert: "Die Liebe in Zeiten des Spätkapitalismus", so Rühle gedrückt, "das sind reichhaltige Dildoangebote und Magazine, die traurige Erwachsenenwelt wird ruhiggestellt von ?Adult World'."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.12.2002
Mit großen Erwartungen hat sich Martin Lüdke an die Lektüre des vielgelobten und von der Kritik hochgejubelten Bandes von David Foster Wallace begeben. "Hut ab", staunte auch der Rezensent, dass da einer eine aussichtsreiche Tenniskarriere sausen ließ, nur um sich dem Schreiben widmen zu können. Der "Storyband", in dem "fiese Männer" ihre ganzen Taktiken und Strategien im Beziehungskampf offenlegen, fange auch ganz vielversprechend an und führe den Leser eins ums andere Mal mit psychologischen Pointen aufs "Glatteis", berichtet Lüdke. Doch bei allem psychologischen Tiefgang, der konsequenten Figurenzeichnung und stringenten Handlung, die bei Wallace Menschen zu bloßem "Geschwätz" machten, haben den Rezensenten diese Geschichten auch ermüdet. "Gut" und "ordentlich" findet Lüdke dieses Buch aber trotzdem.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.11.2002
Irgendwie hat es Uwe Pralle in dieser Besprechung mit dem Wort "Avantgarde". Der Autor habe sich schon früh dagegen verwahrt, zu selbiger zu gehören, meint Pralle, aber irgendwie gehöre er eben doch dazu und gewöhne sich besser daran. Dabei meint der Rezensent es gut mit dem Autor, den er auf der "Mason-Dixon-Linie zwischen Literatur und Pop-Kultur" verortet, und seine Begründung, dass diese Erzählungen "den arabesken Geist Melvilles mit Wittgensteins Sprachdenken kreuzen", klingt dabei sehr schön. Was aber macht ein Leser, der diese Kategorien nicht zur Hand hat und einfach nur liest, was diese "fiesen Männer" zu sagen haben über das Thema "Frauen aufreißen"? Auch für sie hat Uwe Pralle schöne Beschreibungen parat: da geht es dann um den "Käfig der Sprache", in dem die fiktiv Interviewten sitzen, um "redselige Stummheit" und überhaupt um die "psychosexuellen Realitäten in den USA der neunziger Jahre".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.11.2002
Das Lesen der "Interviews" sei oft so anstrengend gewesen, meint Jan Brandt, wie die Lektüre einer "sachlich formulierten Psychologiediplomarbeit". Und er empfindet die "immerhin fast vierhundert Seiten als "lang und langweilig". Wenn der Rezensent dann beschreibt, mit welchen Mitteln Wallace seine "psychologischen Fallstudien, Krankenakten und Mitschnitte des Wahnsinns" aufzubrechen versucht, nämlich mit Verkürzungen á la "Storyboard" und "Pop-Quiz", dann hört sich das eigentlich ganz interessant an. Und tatsächlich findet Jan Brandt dann auch, der Autor habe hier "hohe Authentizität mit subtiler Kunstfertigkeit" verknüpft. Aber irgendwie mag er sie trotzdem nicht, diese "Monologe manischer Männer". Ob Wallace am Abbild eines bestimmten amerikanischen Status quo gelegen ist und womöglich an der Kritik desselben, ficht diesen Rezensenten nicht an. Er hat kaum mehr dazu zu sagen, als dass dies Werk "bösartige Protokolle hinterhältiger Egomanen" enthält - wie es der Titel ja eigentlich auch nicht anders verspricht...
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.10.2002
Irgendwie verzweifelt und ganz wütend ist Iris Radisch geworden ob dieser Geschichten, deren Besprechung der Aufmacher der Literaturbeilage zur Frankfurter Buchmesse ist. Da schlägt sie einem gleich eine kleine Müll-und-Drogen-Szene von Wallace um die Ohren und fordert Stellungnahme, dann holt sie weit aus und poltert wütend gegen die literarische "Restauration" hierzulande los, wo, wie sie meint, nur "Stagnation" herrsche, für die sie das Bild der "Autoren des deutschen Vorruhestandes" findet, die "weit unter ihrem Niveau in die Bestsellerlisten" einziehen. Und dann kommt sie wieder auf Wallace zurück, ein neuer amerikanischer "Genius", "Moralist" und "Chronist der Paranoia". Nach William Gaddis und DonLeLillo fasst nun auch er die Welt und ihre Sprache, ihre Kälte und Abgeschmacktheit in Geschichten, die ohne political correctness und ohne "die Fröste des totalen Medienkapitalismus literarisch zu bemänteln" zeigen, was Sache ist. Die daraus entstandenen Vignetten des "Bewusstseinsschrotts" haben Iris Radisch an Adornos "Minima Moralia" erinnert. Sie bemüht ein wenig die amerikanischen Urväter solchen Schreibens, schimpft zwischendurch auf die wohlfeile Ironie deutscher Popromane und landet dann ganz unvermutet beim Herzen, das bei Wallace "so weich ist wie Wasser, das spritzt und leuchtet in der Sonne, wenn man es bewegt". Da ist die Rezensentin, obwohl oder weil "dieses grandiose und bewundernswert übersetzte Buch" natürlich "schlecht ausgeht", total hingerissen, - und so hingerissen ist man wiederum von ihrem Rundumschlag, dass man es ihr nachfühlen kann, ohne das Buch noch lesen zu müssen.
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Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen







