Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 10.02.2012, 17.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Ian McEwan

Abbitte

Roman

Cover: Abbitte

Diogenes Verlag, Zürich 2002
ISBN-10 3257063261
ISBN-13 9783257063264
Gebunden, 544 Seiten, 24,90 EUR

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Klappentext

Aus dem Englischen von Bernhard Robben. Die Abgründe und die Macht der Leidenschaft und der Phantasie: An einem heißen Tag im Sommer 1935 spielt die dreizehnjährige Briony Tallis Schicksal und verändert dadurch für immer das Leben dreier Menschen.

Leseprobe beim Perlentaucher

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.10.2002

Ursula März ist in ihrer Begeisterung über den neuen Roman von Ian McEwan kaum zu halten. Der Autor, ohne Zweifel für die Rezensentin ein Meister der hohen, aber abgründigen Erzählkunst, hat sich hier sogar noch übertroffen. "Abbitte", in dem es um die fatale und gleich mehrere Biografien zerstörende Lüge einer 13-Jährigen geht, hält März für "das literarisch interessanteste" und "komplexeste", was McEwan bisher geschrieben hat. Einiges an diesem Roman erinnere an Emily Brontes "Sturmhöhe", und mit Sicherheit wird auch das Liebespaar Robbie und Cecilia, das die 13-jährige Briony mit ihrer Lüge ein Leben lang zu trennen weiß, Eingang in den "Olymp der großen Liebesgeschichten der Literatur" finden, ist die Rezensentin überzeugt. McEwan ist mit diesem Roman "strahlend" in der Weltliteratur angekommen, verkündet März und betont ein weiteres Mal, dass dieses Werk "sprachlich, szenisch" und "organisatorisch ein "Meisterwerk der seltenen Art" sei.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2002

Außerordentlich beeindruckt von Ian McEwans "reifstem" Roman zeigt sich Uwe Pralle in seiner Besprechung. "Makellos komponiert" tritt der Text auf exakt der Hälfte des Geschehens aus seiner "traditionellen Form" der englischen Landhausidylle und dem untergründigen Familiendrama heraus und wird "zu einem Roman der zerrissenen Moderne", schreibt Pralle. Wo zunächst die Welt der "verletzen Gefühle" herrscht, geht es im "abrupten" Übergang zur Welt der "verletzlichen Körper" der Soldaten des Zweiten Weltkriegs. So "präzise" wie zunächst die eine dargestellt wird, so gelingt, schreibt Pralle, auch im anderen Teil dem britischen Schriftsteller die Darstellung der "Leidensgeschichte der Physis". Allerdings empfindet der Rezensent den dreißigseitigen Schluss, "London 1999", in der die von ihrer Schuld einer Falschaussage lebenslang belastete Briony als alte Frau porträtiert ist, schlichtweg als "kitschig" und sogar als einen der "verunglücktesten Romanschlüsse in der englischen Literaturhistorie". Irgendwie ist ihm das ganz recht, denn so könne McEwan der Welt "jenseits von Schuld und Sühne" einen weiteren Roman widmen - nämlich, so Pralle, "auf seinem Weg zur literarischen Vollendung".

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.09.2002

Altmodisch, wie einige Kritiker es genannt haben, findet Susanne Messmer dieses Buch überhaupt nicht. Vielmehr ist der Autor ihrer Meinung nach "endlich" zurückgekehrt zu seinem, wie sie findet, "großen Thema, zum neurotischen Kern der Liebe". Messmer ist fasziniert von der Sprachkraft des Schriftstellers, vor allem "wenn es um Körper geht", ob in der alles bestimmenden Liebesszene zwischen Cecilia und Robbie des Anfangs oder um "zerlöcherte und zerstückelte Soldaten", die von den Schwestern Cecilia und Briony gepflegt werden. Ein anderes wichtiges Moment ist für die Rezensentin das Motiv der Geschwisterliebe, das sie als "Kraftfeld des Romans" ausmacht. Die sowohl Klassenschranken überwindende als auch das Inzesttabu berührende Liebe zwischen Cecilia und Robbie hat sie an den frühen Roman "Zementgarten" von McEwan erinnert. Die Bedeutung dieses Schriftstellers sieht sie daher auch darin, wie "mitreißend" er die "beängstigende Macht der Jugend" gestaltet, nämlich "Wirklichkeiten zu schaffen, die stärker sind als die der Erwachsenen".

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.09.2002

Als "tiefenpsychologisches Meisterwerk" beurteilt Evelyn Finger in ihrer Besprechung - dem Aufmacher der Literaturseiten - den neuen McEwan-Roman: ein Buch "über die Literatur", das "gleichzeitig ein Roman über den Menschen ist". Aus einer simplen Schwesterngeschichte macht der "grandiose Stilist" hier "Welttheater", schreibt sie, und das geht so: die 23-jährige Celia wird von ihrer 13-jährigen Schwester Bryony beim unstandesgemäßen Liebesakt in der Bibliothek des Landsitzes ihrer Eltern erwischt; die nachfolgenden Intrigen, die der überhitzten "Fantasie eines erregten Teenagers" entspringen, stürzt die beiden Liebenden ins Unglück. Der Clou der Sache sind jedoch nicht die daraus folgenden Irrungen und Wirrungen, sondern Bryonys Wille zur Dichtung, denn tatsächlich fragt dieses Buch, so Finger, "nach der Moral des Schreibens... als besonders heikle Form sittlichen Handelns betrachtet". Während der zweite Teil des Romans, der hier "abrupt auseinanderbricht", sich auf die Ebene des Weltgeschehens begibt - durch Verlegung der Handlung auf die Schlachtfelder und in die Lazarette des Ersten Weltkrieges - wird der Beginn, ein "Glanzstück dichterischer Liebeskunst", so Finger, im dritten Teil grandios gespiegelt durch ein "Kammerspiel" des Wiedersehens. Evelyn Finger ist hingerissen von allem: von den literarischen Anspielungen auf Eugene O?Neill oder W.H. Auden, die sie entdeckt hat ebenso wie der Darstellung von "Literatur und Liebe" als heikelster Form der "Sinngebung", in der das Lügen nicht nur Trost ist, sondern sich als höhere Wahrheit behauptet.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.09.2002

Lothar Müller lässt keinen Zweifel an seinem Urteil: dieser Roman ist ein "großer Wurf", schwärmt er, und er erklärt zugleich, dass es sich dabei um ein "Plädoyer für den Roman" handelt. Während in der Kunst seit dem 20. Jahrhundert häufig versucht werde, gattungsüberschreitend zu wirken, wolle dieser Roman nichts weiter sein als ein Roman, so der Rezensent angetan. Der schottische Autor habe sich dabei englische Romantraditionen von Austen, Fielding und Richardson zum Vorbild genommen, merkt Müller an, der im dritten Teil des Buches allerdings die Auflösung der Romanform konstatiert. Schon der geschlossene Schauplatz des Landhauses der Familie Tallis, an dem der erste Teil des Romans spielt, erinnert ihn an die Geschichten von Jane Austen, und wie bei ihr findet der Rezensent auch hier den "detektivischen Blick" auf ein Liebespaar. Erst am Ende werde dem Leser klar, dass es sich beim vorliegenden Werk um den ersten Roman der Protagonistin Briony Tallis handelt, die darin eine Verfehlung ihrer Jugend verarbeitet, die für Menschen ihrer nächsten Umgebung schicksalhaft gewesen sei und sie selbst zur Schriftstellerin geformt habe. In einem Nebensatz hat der Rezensent dann noch ein Lob für den Übersetzer übrig, den er als "kongenial" rühmt.

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