Bücher der Saison
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Klappentext
Aus dem Französischen übersetzt und mit einem Nachwort von Vincenzo Orlando. Kein Thema hat Pierre Louys mehr interessiert als das ungeklärte Verhältnis zwischen den Geschlechtern, und nichts sezierte er mit größerer Lust und Virtuosität als das Verhältnis im Extrem, in der Obsession. "Aphrodite" und "Dieses obskure Objekt der Begierde" sind sublime Protokolle der alles verzehrenden Leidenschaft.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.08.2002
Eine "schöne und späte Fügung" nennt Silvia Henke die erstmalige Übersetzung zweier bereits vor über hundert Jahren im französischen Original erschienener erotischer Romane von Pierre Louys. Der eine Roman, "Aphrodite", ist eine in der Antike spielende, "literarisch weniger raffinierte" Kurtisanengeschichte, in der die Vorzüge der Polygamie, der Orgien und der Päderastie jenseits jeder Moral gepriesen werden. Der andere Roman stellt das durch Bunuels Verfilmung bekannte "obskure Objekt der Begierde" als die Geschichte einer quälenden erotischen Obsession dar und ist von der Anordnung her quasi ein Spiegelbild des ersten Romans: Der "meisterhaft komponierte" Kreislauf von Lust und Qual, Anziehung und Abstoßung, Unterwerfung und Bemächtigung hier, der offene Sinnesgenuss dort. Da beide (hier in einem Band zusammengefassten) Romane anstelle von Lebensrezepten Geschlechterverhältnisse jenseits feministischer Ideale und bürgerlicher Sublimierungskonzepte entwerfen, gehören sie für Henke "zu jenem Raum, der unergründliche Konflikte spiegelt, ohne sie zu glätten: zur Literatur".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.07.2002
Etwas ironisch bemerkt Martin Mosebach, dass, wer große Meisterwerke schätzen lernen wolle, auch die Werke ihrer Zeitgenossen studieren solle. Gemeint ist hier nicht Pierre Louys als Meister, sondern Marcel Proust. Louys hingegen findet Mosebach eher umstritten. Der Manesse Verlag hat nun gleich zwei Romane des Franzosen in einem Band veröffentlicht. "Das obskure Objekt der Begierde", vor allem durch Bunuels gleichnamige Verfilmung bekannt geworden, ist für den Rezensenten ein Beleg dafür, dass Louys im Gegensatz zu Proust kein "kompromissloser Wahrheitssucher" gewesen, sondern in seiner "Blut-und-Wollust-Illusion" verhaftet geblieben sei. Es geht in diesem Roman um, berichtet Mosebach, "Armut und Promiskuität" in einem türkischen Bad im armen Spanien. Durch Bunuels Verfilmung habe dieses Werk wohl eher gewonnen, so der Rezensent. Etwas anders bewertet er "Aphrodite", ein "Kostümstück", angesiedelt im Alexandria der Kleopatra-Zeit. Hier tummle sich alles, "was ein rechter Decadent der schalen Gegenwart entgegenhalten mag", Alexandria dürfe in "einem einzigen ununterbrochenen Koitus beben". Sehenswürdigkeiten der Stadt seien in einem einzigen "heiligen Bordell" vereint, der "berühmte Pharos" werde zum "Petersdom der Promiskuität".
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