Bogdan Bogdanovic

Vom Glück in den Städten

Cover: Vom Glück in den Städten
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2002
ISBN 9783552051782
Gebunden, 235 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Serbischen von Barbara Antkowiak. Bogdan Bogdanovic, Architekt und ehemaliger Bürgermeister seiner Heimatstadt Belgrad, nimmt den Leser mit auf eine Reise rund um die Welt, auf eine Zeitreise durch ein halbes Jahrhundert. Er zeigt ihm, was es bedeutet, eine Stadt zu lesen, sie sinnlich-poetisch zu erfahren. In den Nachkriegsjahren streift er zu Fuß durch die Ruinen westeuropäischer Städte, besucht Jahre später in Georgien das Geburtshaus Stalins, hält sich Ende der sechziger Jahre, während der Studentenunruhen in amerikanischen Universitätsstädten auf, reist nach Pjöngjang und Peking und zeigt, wie sich ihm die "Archäologie der Zukunft" darstellt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.08.2002

Mit dem serbischen Architekten, Schriftsteller, wortstarken Regime-Kritiker und leidenschaftlichen Städtewanderer Bogdan Bogdanovic in 24 Stationen um die Welt zu reisen: ein Vergnügen, findet Karl-Markus Gauß, selbst wenn es nicht nur in die schönen Städte geht, sondern z.B. auch nach Los Angeles. Immer befrage der Autor die Städte nach ihrer Geschichte, "nach den Revolten, die unterdrückt, nach den Mythen, die wirksam wurden, nach all den Bewohnern die abgeschieden und den Legenden, die verweht sind". Selten, lobt Gauß, sei dieser Autor so vieler Bücher schreibend so leicht von einem Thema zum andern gelangt und doch bei der Sache geblieben: "auf exakte topographische Beschreibungen - Mannheim, Karlsruhe, Salzburg, Belgrad, Amsterdam - folgen ironische Reminiszenzen an Menschen, Reisen, Erlebnisse". Und Nachrufe auf untergegangene urbane Formen. All dies mit einer Heiterkeit allerdings, die, so vermutet Gauß, mit dem "Glück der Städte" zu tun haben muss.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.07.2002

"Meisterlich" findet Christiane Zintzen, wie der Architekt und Schriftsteller Bogdanovic in diesem Erinnerungsband "die erlebte Geschichte eines halben Jahrhunderts urbaner Zerstörung" darstellt. Kunstvoll konstruiere der "Textarchitekt" seine Erzählung als mehrstimmiges Modell aus den auktorial erzählten Erinnerungen eines Stadtbeobachters und der "fast szenischen Wiedergabe von Dialogen mit den Architekturstudenten". Dass der Autor dabei immer wieder eine Tür aufstößt zwischen dem Sosein und der Möglichkeit und dem Leser Zugang verschafft zu jenen "unsichtbaren Städten" Calvinos, "welche - als Metaphern, als Symbole, als Erinnerungen - um die realen und sichtbaren herum gelagert sind", hält Zintzen für groß. Nicht zuletzt wohl, weil Bogdanovic so "gegen die fortgesetzte Vernichtung von Geschichte durch technokratische Megalomanie" ankämpft.
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