Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Englischen von Reinhild Böhnke. David Lurie, Literaturprofessor in mittleren Jahren und zweimal geschieden, quittiert nach einer Affäre seinen Dienst und verläßt Kapstadt, um sich für eine Weile zu seiner Tochter aufs Land zurückzuziehen. Lucy versucht auf einem entlegenen Stück Land eine kleine Farm aufzubauen. Dann werden Vater und Tochter Opfer eines brutalen Überfalls, in dessen Folge der grundlegende existentielle Konflikt zwischen beiden offen zutage tritt.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.08.2000
"Über das Grauenhafte liest man doch immer gerne", schreibt Walter Klier etwas flapsig - vorausgesetzt, es passiert anderswo, möglichst weit weg. In diesem Fall passiert es in Südafrika, im "neuen" Südafrika, nach Abschaffung der Apartheid, die natürlich nicht abgeschafft ist, zumindest nicht auf dem Land. Walter Klier konstatiert, dass man den neuen Roman von J. M. Coetzee zweiteilen kann: in einen Teil, der in der Stadt spielt und "farbenblind" geschrieben ist, und einen Teil, der auf dem Land spielt, wo man die Hautfarbe der Menschen nicht nur am Namen festmachen kann. Die Zutaten des Romans seien nur zu bekannt, meint der Rezensent, aber weil die Mischung aus Bürgerkrieg, Rassismus, altem und neuem Unrecht explosiv ist, hat es bei ihm dennoch gezündet.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.06.2000
Dirk Knipphals ist begeistert von diesen Roman des Südafrikaners J.M Coetzee, der seiner Ansicht nach "viel, aber längst noch nicht genug gelobt" wurde. Beindruckt schildert der Rezensent, wie Coetzee gnadenlos das Leben des Literaturprofessors David Lurie seziert: von der Uni geflogen, weil er eine Affäre mit einer Studentin hatte, zu seiner Tochter in den Busch gezogen, wo er hilflos erleben muß, wie sie vergewaltigt wird, zuletzt sitzt er in einem Heim, das Hunde einschläfert und spielt ihnen auf dem Banjo aus seiner Kammeroper vor. Die Musik habe hier "ganz im Ernst" noch einen "Verheißungsaspekt", schreibt Knipphals, den das altmodische dieser Vorstellung hier nicht stört, weil Coetzee "scharf wie ein Rasiermesser" und "erbarmungslos" seine Protagonisten demontiert. Man könne Lurie nicht einfach mit Südafrika gleichsetzen, aber "die Härte, mit der Coetzee seiner Figur begegnet, ist der Schärfe der politischen Konflikte durchaus ebenbürtig ist", resümiert der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.06.2000
Iris Radisch ist beeindruckt von diesem Buch, das "üppig und trostlos" die schreckliche Geschichte des südafrikanischen Literaturprofessors Lurie erzähle. Detailliert unternimmt es die Rezensentin, den Inhalt des Romans nachzuvollziehen, in dem der Professor durch die Affäre mit einer Studentin sein Amt verliert und bei seiner Tochter auf einer Farm landet, um fürderhin mit dem Verkauf von Gemüse sein Leben zu fristen. Den weiteren grässlichen Verlauf der Geschichte erzähle der Autor "karg, in trockener Verzweiflung", lobt die ergriffene Rezensentin abschließend.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.05.2000
Bereits der Rezensionstitel "`Schande` - das Erbe Südafrikas?" suggeriert eine kleine Einführung in südafrikanische Geschichte und Literatur. Der Rezensent Lewis Nkosi, selbst ein Schriftsteller und ehemaliger Mitarbeiter der "Schwarzen-Zeitschrift `Drum`", geht auf die Begriffe "nationale Identität" und "Nationalliteratur" ein. Seine These ist, Südafrika sei nie eine "Nation" gewesen. Der Kampf gegen den Apartheid habe deshalb mehr als ein politisches Ziel erfüllt: Er wirkte konsolidierend in dem "Bemühen, für alle Völker eine erkennbare nationale Identität und ein gemeinsames Gefühl der Zugehörigkeit zu diesem Land zu schaffen". Die Vorgeschichte des schwarzen Südafrikas präsentiere sich wiederum als ein ?anhaltender Alptraum? (Beispiel: Feindschaft zwischen Zulus und Buren), man war gezwungen, nur in die Zukunft zu schauen. Da aber nun die Apartheid verschwunden sei, fehle vielen - auch den Schriftstellern - die kämpferische und identitätsstiftende Vision. Als Beispiel führt der Rezensent das neue Werk von Nadine Gordimer an.
J. M. Coetzee bescheinigt Nkosi ehrenhafte Zurückhaltung in politischen Fragen, welche ihm bei seinen bisherigen Romanen (Age of Iron, Foe) offenbar nicht geschadet hat. Im neuen Roman ?Schande? (Disgrace), der auf deutsch brillant übersetzt worden sei, widme sich Coetzee dem Thema des persönlichen Scheiterns. Die Handlung: Ein alternder Professor, der auf Abwege gerät, die ihn nicht nur die Karriere kosten, sondern sein ganzes Leben durcheinander bringen. Der Roman betreibt eine gewisse ?weisse? Schwarzmalerei bei der Beschreibung des neuen Südafrikas, meint Nkosi. Themen wie Vergewaltigung, Mord und Enteignung seien etwas paranoid repräsentiert. Das Fazit: Ein persönliches Buch, das trotz allem die ?Sprache des Scheiterns? beherrscht.
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