Mit Dokumenten und Faksimiles. Noch bevor die "Großen Drei", Truman, Stalin und Churchill bzw. Attlee, in Potsdam über die Nachkriegsordnung Europas zu verhandeln begannen und schließlich auch den "ordnungsgemäßen Transfer" der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei und Polen beschlossen, waren bereits Zehntausende der Bewohner über die böhmisch-sächsische Grenze gejagt worden. Am 31. Juli 1945 kam es in der nordböhmischen Industriestadt Aussig zu einer gewaltigen Explosion in einem Munitionslager mit anschließenden pogromartigen Ausschreitungen gegen Deutsche. Erstmals publizierte Dokumente eröffnen eine grundlegende Korrektur der Vorgänge der tschechoslowakischen Nachkriegsentwicklung und beschreiben ein noch nicht aufgearbeitetes Kapitel der Zeitgeschichte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.05.2002
Die Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei 1945 ist laut Rezensent Karl-Peter Schwarz für die deutsche Geschichtswissenschaft schon lange kein Thema mehr. Die Vorgeschichte und die Entscheidungsprozesse der Vertreibung sind zwar durch Detlef Brandes und Emilia Hrabovec "gut erforscht", doch wichtige tschechoslowakische Veröffentlichungen wie die Studien von Tomas Stanek sind nicht übersetzt, klagt Schwarz. Mangelndes Interesse der Deutschen sei es nicht, so Schwarz, denn die Neuauflage (1995) von Theodor Schieders 1957 erschienener "Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ostmitteleuropa" war schnell vergriffen. Der Autor Otfried Pustejovsky, Historiker und Slawist, erlebte die Vertreibung als Siebenjähriger mit und leide heute noch an diesem "Trauma". In seinem Buch versuche er der ethnischen Säuberung, die der Explosion eines Munitionslagers in der Stadt Aussig folgte, einen "geschichtlichen Sinn" zu geben. An diesem Anspruch scheitert der Autor zwar, doch ist ein "interessantes Buch" herausgekommen: ein "mikrohistorisches Mosaik der Ereignisse", lobt Schwarz. Der Frage nach den Auswirkungen der Ausschreitungen auf die Konferenz in Potsdam gibt Pustejovsky nicht so viel Gewicht wie dem offenkundig "kollektiven Charakter" der Entwicklungen. Der Rezensent verweist auf einen großen Nutzen durch die wertvollen "Belegstellen mit Quellenangaben für die genozidalen Intentionen der Vertreibung" und die 60 Dokumente im Anhang und empfiehlt, zur Potsdamer Konferenz die leider nicht übersetzte Studie des Prager Historikers Milan Churan zu lesen.
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