Herausgegeben von Cornelia Visman in Zusammenarbeit mit Susanne Lüdemann und Manfred Schneider.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.05.2002
Rezensent Arnim Adam zeigt sich recht erfreut vom neuen Tumult-Heft, das den hierzulande noch kaum bekannten Historiker, Psychoanalytiker, Juristen Pierre Legendre vorstellt. Legendre hat sich laut Rezensent in Frankreich mit seinen historischen Forschungen zur Verwaltung einen Namen gemacht. Sein Denken kreist nach Ansicht des Rezensenten um die anthropologischen Grundlagen der westlichen Kultur. Wie Adam ausführt, steht dabei die Frage im Mittelpunkt, was den Menschen am Leben erhält. Nach Legendre sind es die Institutionen - sie erst ermöglichen die menschliche Existenz, erklärt der Rezensent. Die Verleugnung der Institutionen seitens des aufgeklärten, liberalen Bewusstseins sei der harte Kern der modernen westlichen Kultur, denn erst die verleugnete Institution arbeite wirklich effizient. Neben vier Texten von Legendre - darunter ein Text zur Goldhagen-Debatte und ein ausführliches Interview mit Legendre, in dem Legendre selbst die wesentlichen Topoi seines "sonst nicht immer ganz verständlichen Denkens" erläutert - bietet das Tumult-Heft nach Auskunft des Rezensenten einige kleinere Texte zur Einführung in das Werk und zu speziellen Problemen. In diesem Zusammenhang hebt der Rezensent insbesondere Manfred Schneiders "sehr klare" Einführung in die Grundpositionen von Legendres Werk hervor.
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