Herausgegeben von Heinz Peter Schwerfel. Ground Zero - das mit Kerosin leer gesprengte Brachland im südlichen Manhatten, ist im Sprachgebrauch der Massenmedien Schlagwort für eine zerstörte Stadtlandschaft, für einen in seinem spektakulären Nihilismus konkurrenzlos erfolgreichen Terroranschlag gegen abendländisches Denken. Ground Zero ist der Anlass, nach Gegenwart und Zukunft eines der bisher wichtigsten Parameter eben dieses Denkens zu fragen: der Kunst.
Was hat der Kunstbetrieb vom 11. September gelernt? Unter dieser Fragestellung hat der Kunstjournalist Heinz Peter Schwerfel über 20 Kulturschaffende und -theoretiker befragt - mit keinem überzeugenden Resultat, meint Harald Fricke. Erwartungsgemäß überwiegen die Beiträge, die moralisch das "postmoderne Verständnis eines anything goes" kritisieren. Ehrenwert, aber höchst unbefriedigend, meint der Rezensent. Gegenpositionen sind in dem Band eher rar. Zu den Ausnahmen gehöre der französische Kurators Eric Troncy, der sich gegen die anhaltende Vermarktung politischer Kunstprojekte verwehre. Dem Rezensenten ist die Position von Wolfgang Ulrich am sympathischsten, der die "neuen Kampfplätze" wie Krieg und Terror für einen falschen Anlass erachtet, "um Kultur heute zu positionieren", zitiert ihn Fricke. Die Verantwortung der Kunst lasse sich nicht aus einem herkömmlichen Weltverbesserertum ableiten, pflichtet er Ulrich bei. Ulrich bevorzuge das Modell einer an Schönheit und Freizeit orientierten Kunst - und genau dort sei unsere Gesellschaft eben auch verletzlich.
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