Text: Lorenzo Mattotti, Jerry Kramsky. Zeichnungen: Lorenzo Mattotti. Aus dem Italienischen von Rossi Schreiber. Wer ist dieser unheimliche Edward Hyde, der nachts durch die düsteren Straßen des victorianischen London streift? Warum befällt jeden, der ihn sieht, ein unbeschreibliches Grauen? Und welche Macht hat er über den angesehenen Arzt Henry Jekyll, der diesem Gewalttäter offenbar Zuflucht gewährt? Bald ist es Gewissheit: Dr. Jekyll und Mr. Hyde verbindet ein schreckliches, ungeheuerliches Geheimnis!
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.05.2002
Dank des Gleichgewichts zwischen Werktreue und persönlichem Zugriff ein interessantes Beispiel für die gelungene Comicadaption eines literarischen Stoffes, findet Rezensent Christian Gasser. Das Duo Mattotti und Kramsky würden zwar über weite Strecken den originalen Text übernehmen, doch hätten sie entscheidende Eingriffe vorgenommen. Die um Jekylls Abschiedsbrief artikulierte Geschichte hätten sie in die zwanziger Jahre des Zwanzigsten Jahrhunderts verlegt, die Zeit, in der "das Böse die politische Bühne" erobert hätte. Dies wiederum ermögliche Mattotti, Hydes wüste Exzesse mit "Otto-Dix- und George-Grosz-Zitaten zu schärfen. Dennoch vermisst der Rezensent bisweilen die Dichte und Poesie, die Mattottis eigene Comic-Romane seiner Meinung nach auszeichnen und hat den Eindruck, der prominente Comiczeichner würde sich hinter den spektakulären Bildern verstecken. Der Lustgewinn bei deren Betrachtung scheint jedoch beträchtlich gewesen zu sein.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.04.2002
Der neue Band, frei nach dem Roman von Robert Louis Stevenson, reiht sich, wie Fritz Göttler findet, durchaus ein ins Gesamtwerk des Comic-Künstlers Lorenzo Mattotti: diesen Moment, da der Held "noch einmal zum Kind wird", gibt es, als Sehnsucht wenigstens, in all seinen Büchern. Die Erzählung und die Bilder sind von außerordentlicher Bewegtheit, das Prinzip der Gestaltung wie des "labyrinthischen" Erzählens ist, meint der Rezensent, der Jazzmusik verwandt, die zeichnerische ligne claire lasse der Fantasie des Betrachters alle Freiheiten. Edinburgh, der Ort der Handlung, wird im Comic, so Göttler, zur "futuristischen Stadt". Bedrängend die "Farborgien" des Alltags und erst recht des Rauschs und der "sexuellen brutalen Exzesse". Ein Urteil gibt es, wie bei diesem Rezensenten üblich, nicht explizit: die emphatische Nachempfindung des Werks spricht jedoch für sich.
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