

Augusto Roa Bastos
Ich, der Allmächtige. Roman
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000
Aus dem Spanischen von Elke Wehr. An die Macht gekommen ist er wie alle Alleinherrscher, durch kluges Taktieren und Intrigieren. Doch ist er alles andere als der ewige Putschistengeneral, die sture, machthungrige Beschränktheit. Er ist der allseits Gebildete, voller Verehrung für Frankreich, das Land der Aufklärer, der großen Essayisten und unerschrockenen Schriftsteller. Er hat seinen Montesquieu, seinen Sade und seinen Montaigne gelesen, er hat die Französische Revolution studiert, und die amerikanische Unabhängigkeitserklärung betrachtet er quasi als seine eigene Charta. Er will das ein für allemal Richtige für Staat, Gesellschaft und Familie, bis hin zum letzten Glied. Und für die 500 Militärkapellen. Das Verblüffendste ist, dass es ihn tatsächlich gegeben hat, den Dr. Francia, Staatsgründer von Paraguay. Diese phantastische Verkörperung moderner Staatsutopien hat existiert. Das war zu Beginn des 19. Jahrhunderts, aber die Versuchung der wissenden Macht ? der Macht, die sich als einzig richtige weiß ? ist von heute.