Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Spanischen von Elke Wehr. An die Macht gekommen ist er wie alle Alleinherrscher, durch kluges Taktieren und Intrigieren. Doch ist er alles andere als der ewige Putschistengeneral, die sture, machthungrige Beschränktheit. Er ist der allseits Gebildete, voller Verehrung für Frankreich, das Land der Aufklärer, der großen Essayisten und unerschrockenen Schriftsteller. Er hat seinen Montesquieu, seinen Sade und seinen Montaigne gelesen, er hat die Französische Revolution studiert, und die amerikanische Unabhängigkeitserklärung betrachtet er quasi als seine eigene Charta. Er will das ein für allemal Richtige für Staat, Gesellschaft und Familie, bis hin zum letzten Glied. Und für die 500 Militärkapellen. Das Verblüffendste ist, dass es ihn tatsächlich gegeben hat, den Dr. Francia, Staatsgründer von Paraguay. Diese phantastische Verkörperung moderner Staatsutopien hat existiert. Das war zu Beginn des 19. Jahrhunderts, aber die Versuchung der wissenden Macht ? der Macht, die sich als einzig richtige weiß ? ist von heute.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.12.2000
Barock prunkt dieser Staatsroman vom Müllhaufen der Geschichte des ewig geknechteten Südamerika herunter. So etwa formuliert es der Rezensent. Wer nicht glauben könne, dass der musische Herrscher zu den schlimmsten gehört, der solle dieses Buch lesen. Allein Willi Winkler hat den Roman wohl ein wenig gegen den Strich gelesen, wenn er dergleichen rät. Ergeht sich der Autor nicht in Herrscherlob? Schon, meint Winkler, aber dies sei womöglich die wortmächtige Hymne des "allzeit machtlosen Schriftstellers, der so gern einen Zipfel von der Macht zu fassen kriegte" - ein verzweifeltes, ein verqueres Lob also. Dessen "endlose Tiraden" und "labyrinthische Letzt- und Ganzzuletztbegründungen" ins Deutsche übertragen zu haben, nennt Winkler ein lobenswertes, von Erfindungsreichtum zeugendes Unterfangen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.08.2000
Hans Jürgen Schmitt ist völlig begeistert von diesem Roman, der nun in einer neuen Übersetzung vorliegt. Angelehnt an die historische Person des Diktators von Paraguay, Dr. Francia, sei es dennoch keine Nachzeichnung der geschichtlichen Entwicklung, sondern die "kritische, grundsätzlich poetisch-mythische Reflexion" über Macht und Despotentum. Durch die vielen verwickelten Erzählebenen wird ein "faszinierender Schwebezustand" der Stimmen erzeugt, der das plumpe Schema von Gut und Böse hinter sich lässt, so der Rezensent lobend. Auch die Neuübersetzung von Elke Wehr, die mit den Schwierigkeiten einer Symbiose vom Spanischen und dem indianischen Guarani zu kämpfen hatte, findet die uneingeschränkte Zustimmung Schmitts. Sie sei "modern, direkt und frisch" und lasse Ungelenkes der früheren Übersetzung hinter sich. Und so hofft der Rezensent, dass der Roman nun zu der Verbreitung findet, die er verdient.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.05.2000
Paul Ingendaay schreibt voller Begeisterung über dieses Buch, das er für einen der bedeutendsten Diktatorenromane der lateinamerikanischen Literatur hält. Allerdings sei "Ich der Allmächtige" kein historischer Roman, obwohl die Hauptfigur eine historische ist. Doch: "statt eines prallen Historienschinkens baut sich vor unseren Augen eine mit allen Wassern der Moderne gewaschene Fiktionsmaschine auf", aus deren Produktion der Rezensent einige vielversprechende Kostproben gibt. Bereits 1977 sei der Roman bei der Deutschen Verlagsanstalt erschienen und der "teigigen" Übersetzung von damals schreibt Ingendaay es zu, dass das Buch damals keine Leser fand. Die Neuübersetzung von Elke Wehr dagegen lobt er in den allerhöchsten Tönen und dehnt dies Lob dann auf den Suhrkamp-Verlag und dessen verlegerische Sorgfalt aus.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.03.2000
Friedhelm Rathjen hat sich hinreißen lassen von der "Wucht" dieses Romans, der einerseits im Gewand des historischen Romans daherkomme, andererseits aber ein an Borges und Beckett geschultes, mit mehrfach gebrochenen Perspektiven operierendes "Sprachkunstwerk" darstelle. Seltsamer Held des Buchs ist der paraguyanische Diktator Francia, der im vorigen Jahrhundert sein Land isolierte und wie ein aufgeklärter absoluter Monarch regierte. Im Kopf des Regenten herrscht ein Allmachtsdenken, das im Verlauf der Geschichte arg beschädigt wird. Bastos Roman spiegelt den Versuch wider, schreibt Rathjen, die Widersprüche im Denken dieses Diktators herauszuarbeiten und seinen Protagonisten darüber vom Sockel zu stürzen.
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