

Henryk Grynberg
Drohobycz, Drohobycz. Galizische Erinnerungen. Zwölf Lebensbilder
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2000
Aus dem Polnischen von Martin Pollack. Angst und Schrecken verbreitete der aus Wien stammende Gestapohauptmann Felix Landau unter den Juden von Drohobycz. Nur mit dem Schriftsteller und Maler Bruno Schulz machte er eine Ausnahme. Von dem schmächtigen Dichter der »Zimtläden«, dem Kafka-Übersetzer und Zeichenlehrer ließ Landau sich porträtieren, mit ihm unterhielt er sich. Und Schulz redete mit ihm ? um sein eigenes Leben. Und genauso um sein Leben musste der für seine Intarsien berühmte Kunsttischler Hauptman mit dem SS-Scharführer Karl Günther reden, der dessen Kostbarkeiten unter der Hand nach Deutschland verkaufte. Als Landau davon erfuhr, erschoss er Hauptman. Kurze Zeit später wurde Bruno Schulz von Günther ermordet. Beiläufig, als sei dieses Schicksal ganz selbstverständlich, berichten die zwölf Erzähler im Buch des polnischen Schriftstellers Henryk Grynberg über den Holocaust, aber auch über den Antisemitismus in der Sowjetunion. Grynbergs dokumentarische Prosa geht zurück auf die Erzählungen Überlebender, und sie reicht herauf bis in die Gegenwart.