Dekonstruktion des Christentums

Diaphanes Verlag, Berlin 2008
Christliche Motive durchziehen das Werk Jean-Luc Nancys seit einigen Jahren. Mal lässt er sich vom päpstlichen Segensspruch "Urbi et Orbi" in einen Text leiten (in "Die Erschaffung der Welt oder Die Globalisierung"), mal findet sich ein Kapitel zur Fleischwerdung (in "Corpus"), und immer wieder kommt er auf den Begriff der "Schöpfung" zurück. Jedesmal verleiht er der religiösen Fragestellung eine eminent politische Wendung. "La declosion" (Ent-Schließung, Öffnung), so der französische Originaltitel dieses 2005 erschienenen Werkes, versammelt Essays zur "Dekonstruktion des Christentums". Zum einen wird hier das Christentum selbst Gegenstand der Dekonstruktion: Nancy untersucht es, indem er es verschiebt, entstellt oder verkompliziert. Zum anderen aber beobachtet Nancy eine (auto-)dekonstruktive Bewegung des Christentums selbst, indem es nämlich in seinen verschiedenen Ausprägungen immer schon Elemente eines Auszugs aus der Religion aufweist: einer Öffnung seiner selbst nach außen und die Einführung eines Paradoxes in seinen Kern. Grundlegend ist hierbei die Erkenntnis, dass der entscheidende kulturelle Schritt vom Polytheismus zum (jüdisch-christlichen) Monotheismus im Entzug der Göttlichkeit besteht.

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