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Jean-Luc Nancy
Dekonstruktion des Christentums
Klappentext
Christliche Motive durchziehen das Werk Jean-Luc Nancys seit einigen Jahren. Mal lässt er sich vom päpstlichen Segensspruch "Urbi et Orbi" in einen Text leiten (in "Die Erschaffung der Welt oder Die Globalisierung"), mal findet sich ein Kapitel zur Fleischwerdung (in "Corpus"), und immer wieder kommt er auf den Begriff der "Schöpfung" zurück. Jedesmal verleiht er der religiösen Fragestellung eine eminent politische Wendung. "La declosion" (Ent-Schließung, Öffnung), so der französische Originaltitel dieses 2005 erschienenen Werkes, versammelt Essays zur "Dekonstruktion des Christentums". Zum einen wird hier das Christentum selbst Gegenstand der Dekonstruktion: Nancy untersucht es, indem er es verschiebt, entstellt oder verkompliziert. Zum anderen aber beobachtet Nancy eine (auto-)dekonstruktive Bewegung des Christentums selbst, indem es nämlich in seinen verschiedenen Ausprägungen immer schon Elemente eines Auszugs aus der Religion aufweist: einer Öffnung seiner selbst nach außen und die Einführung eines Paradoxes in seinen Kern. Grundlegend ist hierbei die Erkenntnis, dass der entscheidende kulturelle Schritt vom Polytheismus zum (jüdisch-christlichen) Monotheismus im Entzug der Göttlichkeit besteht.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Jean-Luc Nancy: Dekonstruktion des Christentums - mehr Information beim Diaphanes Verlag
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.04.2009
In den Augen des evangelischen Theologieprofessors Alf Christophersen hat sich beim "Modethema" Glauben schon so mancher Intellektuelle um Kopf und Kragen geredet. Doch der französische Philosoph Jean-Luc Nancy gehört anscheinend nicht dazu, denn seinem Sammelband mit vierzehn überwiegend bereits anderswo publizierten Aufsätzen begegnet er sehr wohlwollend. Der Autor habe sich in dankenswert nüchterner Tonlage und auf der Grundlage von Heidegger und Derrida die "Dekonstruktion des Christentums" vorgenommen, erklärt der Rezensent. Dabei öffnet sich eine politische Dimension, sieht Nancy doch die "Sinn- und Wahrheitswüste" Globalisierung als Kulminationspunkt des heute nicht mehr durch Religion besetzten "Erwartungsraums", lässt und Christophersen wissen. Als Glanzpunkt der Texte preist der Rezensent Nancys eingehende Analyse von Heideggers "letztem Gott", der nurmehr im "Vorbeigehen" anwesend sei. Allerdings sieht Christophersen sich am Ende mit der Frage allein gelassen, wie der Leser die "Rekonstruktion" dieser virtuosen Dekonstruktion leisten soll.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.03.2009
Mit diesem Werk des französischen Philosophen komme Arbeit auf die Theologen zu, warnt nach offensichtlich höchst ergiebiger Lektüre Rezensent Thomas Assheuer. Denn was Jean-Luc Nancy hier nachzeichne, sei die im Christentum selbst angelegte dekonstruktivistische Bewegung, seine eigene Botschaft ständig zu unterlaufen, weshalb die Dekonstruktion den Wesenskern der Wahrheit des Christentums darstelle. Nancy löse das Christentum dabei weder in Mystik noch in Ethik auf, sondern erkläre seinen Lesern "mit Engelszungen" den Unterschied zwischen Monotheismus und Mythos. Das Buch sei extrem schwer zu lesen, warnt Assheuer auch, und zwar trotz der "nachgerade heroisch anmutenden Leistung" der Übersetzerin. Doch dem zähen Durchquerer des Nancy'schen Treibsandes winkten zur Belohnung "funkelnde Aphorismen".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.02.2009
Eine gute Gelegenheit, diesen politischen Denker und Verfechter einer Zivilreligion im Sinne Rousseaus kennenzulernen, sieht Tim Caspar Boehme in diesem Band. Den kreisenden Denkbewegungen Jean-Luc Nancys folgt der Rezensent nur allzu gerne. Das vorliegende Buch führt ihn dabei in Richtung einer Annäherung von Philosophie und Christentum. Ausgehend von Kants "Vernunftglauben", so erkennt Boehme, schafft der Autor über den Akt der Anbetung die Beziehung des Rationalen zum "Unzugänglichen". Um das Irrationale oder um Mystik, so kann uns der Rezensent beruhigen, geht es Nancy dabei allerdings nicht. Dessen Versuch, der Vernunft mittels der Anbetung einen Weg über sich selbst hinaus zu weisen, ist für Boehme eine "verbale Annäherung an das alogon".
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