Narzissmus, Christentum, Antisemitismus. Eine psychoanalytische Untersuchung

Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2000
Aus dem Französischen von Max Looser. Auch von kirchenoffizieller Seite wird inzwischen nicht mehr in Frage gestellt, dass der christliche Antijudaismus und Antisemitismus die mentalen und atmosphärischen Voraussetzungen mitprägte, die in der Mitte unseres Jahrhunderts zur Vernichtung der europäischen Juden führten. Die Entstehung einer endemischen antisemitischen Kultur mit ihren Paroxysmen des Hasses, der Verfolgung und Vernichtung ist ohne den Beitrag des Christentums nicht denkbar. Im Gegensatz zum Judentum, das nur einen nicht darstellbaren Gott kennt, ist das Christentum, so die zentrale These der Autoren, seinem Wesen nach narzisstisch, weil es in Christus eine Gestalt verehrt, die sowohl göttlich als auch menschlich ist. In solcher Doppelgestalt verbindet sich beides: Reinheit und Destruktivität, Gut und Böse, Engel und Teufel, Geist und Materie, Ewigkeit und Zeitlichkeit. Die Doppelheit der Christusgestalt erklärt auch die mögliche Koexistenz von antisemitischen und philosemitischen Einstellungen bei ein und demselben Individuum - die eine ist die Kehrseite der anderen.

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