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Pierre Dessuant, Bela Grunberger
Narzissmus, Christentum, Antisemitismus
Eine psychoanalytische Untersuchung
Klappentext
Aus dem Französischen von Max Looser. Auch von kirchenoffizieller Seite wird inzwischen nicht mehr in Frage gestellt, dass der christliche Antijudaismus und Antisemitismus die mentalen und atmosphärischen Voraussetzungen mitprägte, die in der Mitte unseres Jahrhunderts zur Vernichtung der europäischen Juden führten. Die Entstehung einer endemischen antisemitischen Kultur mit ihren Paroxysmen des Hasses, der Verfolgung und Vernichtung ist ohne den Beitrag des Christentums nicht denkbar. Im Gegensatz zum Judentum, das nur einen nicht darstellbaren Gott kennt, ist das Christentum, so die zentrale These der Autoren, seinem Wesen nach narzisstisch, weil es in Christus eine Gestalt verehrt, die sowohl göttlich als auch menschlich ist. In solcher Doppelgestalt verbindet sich beides: Reinheit und Destruktivität, Gut und Böse, Engel und Teufel, Geist und Materie, Ewigkeit und Zeitlichkeit. Die Doppelheit der Christusgestalt erklärt auch die mögliche Koexistenz von antisemitischen und philosemitischen Einstellungen bei ein und demselben Individuum - die eine ist die Kehrseite der anderen.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.02.2001
Der Rezensent Martin Altmeyer, selbst Psychologe und Autor ein Buches über Narzissmus, führt in einem sehr aufschlussreichen Artikel in das zum Widerspruch herausfordernde Denken des Pariser Psychoanalytikers Bela Grunberger ein, den er als "großen Außenseiter der strukturalistischen Pariser Intellektuellenszene" bezeichnet, ein Gegenspieler Lacans. Ende der 60er Jahre hatte Grunberger mit seiner Frau Chasseguet-Smirgel, so Altmeyer, ein ebenso streitbares Buch über die 68er-Generation veröffentlicht, deren Protesthaltung er als seelisch unreif und in den Wurzeln antisemitisch bezeichnete. Auch in seiner neuen Studie führt Grunberger einen ähnlich großen Zirkelschluss vor, meint Altmeyer: das Christentum als zur "Liebesreligion verwandelter Narzissmus", der sich der ödipalen Triebreifung hin zur Anerkennung des Vaters, des Gesetzes, der Religion und damit der Realität kindhaft widersetze. Vor allem der bei Grunberger "monadenhafte" Züge annehmende Narzissmus stellt für Altmeyer eine streitbare Behauptung dar; dennoch sieht er in Grunbergers provozierenden Thesen eine höchst anregende Lektüre.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.08.2000
So ganz scheint Rezensentin Caroline Neubauer nicht zu wissen, was sie von dem Buch halten soll. Es sei ein "spannendes, ein ärgerliches und in jedem Fall ein Buch, über das zu diskutieren sich lohnt", schreibt sie. Und im nächsten Satz dann: "Leider ist es redundant". Da staunt der Leser und sucht nach Argumenten. Findet aber nur Versuche der Rezensentin, sich dem Buch zu nähern, die eher Unsicherheit als Souveränität ausdrücken und den Gegenstand kaum griffig präsentieren können. Zwar lesen wir, dies sei Grunbergers "geschichtsphilosophisches Opus magnum" und der als Koautor genannte Pierre Dessuant habe nur bei der "Zusammenstellung des umfangreichen Materials geholfen". Dann folgen Versuche, den Thesen des Buches zu widersprechen, ohne diese zunächst schlüssig vorzustellen. Dabei ist die Rezensentin voller unreflektierter Ressentiments gegen einen Autor, der das Christentum aus der Sicht des Judentums angreift. Verzwirbelte fachidiotische Sätze mit Stilblütenflair, z.B. Hitler, "die Agentur der analen Mutter" tun ihr übriges, um die Lektüre der Rezension zum Ärgernis zu machen.
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