

Bernard Manin
Kritik der repräsentativen Demokratie
Matthes und Seitz, Berlin 2007
Aus dem Englischen von Tatjana Petzer. Was wir heute unter "Demokratie" verstehen, hat Ursprünge in einem institutionellen System, deren Errichtung zwar die Folge der Revolutionen in England, Amerika und Frankreich ist, aber ursprünglich keineswegs als "Regierung des Volkes" wahrgenommen wurde. Bernard Manin weist eine erstaunliche Konstante in der Geschichte neuzeitlicher politischer Systeme nach: die bewusste Entscheidung für Regierungsformen, die man als "aristokratische" bezeichnen kann und gegen Formen der Demokratie, wie sie im antiken Griechenland oder im Italien der Renaissance üblich waren.
Die entscheidenden Denker der französischen und der amerikanischen Verfassung, Sieyes und Madison, sahen im repräsentativen Regierungssystem keine Form der Demokratie. Für sie verkörperte es vielmehr eine Regierungsform, die sich von dieser wesentlich unterschied und zudem von ihnen bevorzugt wurde.
Bernard Manin hinterfragt in diesem grundlegenden Werk politische Selbstverständlichkeiten und Selbstverständnisse nach ihrer historischen Haltbarkeit. Es gelingt ihm, durch Analysen von Wahlsystemen und konzisen Begriffsgenealogien unsere "demokratischen" Regierungsformen neu zu denken und zu überdenken. So schafft er die Möglichkeit, verkrustete und womöglich überholte Strukturen zu erkennen.