

Andrzej Stasiuk
Die Welt hinter Dukla. Roman
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000
Aus dem Polnischen übersetzt von Olaf Kühl. Dukla ist ein verschlafenes Städtchen in Südpolen, am Rande der Karpaten, nicht weit von der slowakischen Grenze. Auf dem Marktplatz hat sich alle Leere der Welt versammelt, und ein Wind herrscht, der direkt aus Alaska und Sibirien herüberweht. Dukla mit seinen bröckelnden Mauern und dem Schloss der Fürsten von Brühl, den beiden Barockkirchen und der niedergebrannten Synagoge ist ein Ort, der eine magische Anziehungskraft auf den Autor Stasiuk ausübt. Wie unter Zwang kehrt er immer wieder dorthin zurück, aus allen Himmelsrichtungen, zu allen Tages- und Nachtzeiten. Was er bisher war, wird durch Dukla auf sanfte und radikale Weise in Frage gestellt. Je hartnäckiger Stasiuk dieses Staunen zu ergründen versucht, je präziser er die Wahrnehmungen und epiphanischen Momente zu beschreiben versteht, desto stärker nähert er sich der "anderen Seite der Zeit und der Wirklichkeit". Sein Versuch, den Geist des Ortes zu packen, der Materie ihr Gedächtnis zu entreißen, macht diese Spurensuche zu einer gewagten dichterischen Expedition.