

Martin Mosebach
Eine lange Nacht. Roman
Aufbau Verlag, Berlin 2000
"Am Souterrainfenster stand jetzt Bella. Sie trug ein Handtuch um den Körper geschlungen, das ihre Schultern unbedeckt ließ. Auf diese nackten Schultern fiel das Licht. Dieses Bild senkte sich in Ludwigs Seele und traf auf eine Stelle, die dort vorbereitet war. Dies war etwas Endgültiges. Jetzt blickte Bella auf. Er winkte nicht, und auch sie hob keine Hand. Sie standen, ohne sich zu rühren. Es war, als wisse sie, was da geschah." Vielleicht weiß Bella, was mit ihnen geschieht. Ludwig weiß es nicht, und seit er erfolgreich Dinge vertreibt, die niemand braucht, eine Frau liebt, die nicht aus seinen Kreisen stammt, und zu Taten fähig ist, die er sich nie zugetraut hätte, kennt er sich selbst nicht mehr. In dieser einen langen Nacht irrt er wie in vielen Nächten durch seine Kindheit, seine Stadt, sein Büro, seine Liebe, seine Träume.