

Martin Walser
Leben und Schreiben. Tagebücher 1974-1978
Rowohlt Verlag, Reinbek 2010
Dritter Band. Als 1976 der Roman "Jenseits der Liebe" erscheint, veröffentlicht die Frankfurter Allgemeine Zeitung eine verheerende Kritik von Marcel Reich-Ranicki. Martin Walser ist niedergeworfen. Er horcht in sich hinein, spürt das zahnlose Nagen, die eigene unkluge Wut: er sucht nach Auswegen und Antworten, legt Rechenschaft ab. Die Tagebücher der Jahre 1974-78 sind beides: Selbstzeugnis und zeithistorisches Dokument. Sie gewähren tiefen Einblick in das Spannungsverhältnis zwischen Literatur und Kritik, Autor und Kritiker. Denn der Tagebuchschreiber offenbart sich als Beobachter der eigenen Verletzbarkeit und auch als Zeitgenosse, als unermüdlich Reisender, den Beruf und Neugier quer durch Deutschland und Europa, von Amerika bis nach Japan treiben.