

Jan Koneffke
Paul Schatz im Uhrenkasten
DuMont Verlag, Köln 2000
Kein kleiner Herr Niemand will Paul Schatz aus dem Berliner Scheunenviertel sein. Keinen Vater will er haben, der ein galizischer Schildermaler und Jude ist und die Frauen betört. Aber den Großvater himmelt Paul Schatz an. Der schwingt seinen Schlangenknopfstock, ist Antisemit, Logenmeister und besitzt eine Sammlung von zweihundertdreißig historischen Uhren - von magischer Kraft. Der Großvater stirbt am Tag der Machtergreifung Hitlers. Paul stellt sich Karl Haueisens Loge als eine Kammer im Erdinnern vor, vollgestopft mit Uhren. Und wenn der Logenmeister einen Zeiger verstellt, lenkt er das Weltgeschehen in andere Bahnen. Die Verfolgung der Juden im Scheunenviertel verhindert der Großvater freilich nicht. Und während Paul Unterschlupf bei seinem Onkel in Quedlinburg findet, verblasst das Idol des Logenmeisters. Karl Haueisen hat ein Verbrechen begangen, von dem Paul erst nach Kriegsende erfahren wird. Er, der das Grab des Großvaters aufsucht, um es zu zerstören, muss feststellen, dass andere das Handwerk der Vernichtung besser beherrschen als ein kleiner Herr Niemand.