Feststellungen und Versuche. Aufzeichnungen 1943 - 1952

Wallstein Verlag, Göttingen 2009
Herausgegeben von Ulrich van Loyen und Erhard Schüttpelz. Der dritte und abschließende Band der Werke in Einzelausgaben von Franz Baermann Steiner liefert eine umfassende Auswahl aus den unveröffentlichten Notizen des Lyrikers und Sozialanthropologen: Die gut 5.000 Ringbuchseiten aus dem Nachlass, die im Deutschen Literaturarchiv Marbach verwahrt sind, enthalten eine Fülle von kurzen Texten ohne Gattungsbeschränkung: Aphorismen, Essays, lyrische Gedanken, Sprachphilosophisches, Satiren und Polemiken. Die Erfahrungen des Exils, religiös grundierte Zivilisationskritik finden sich darin ebenso wieder wie literatursoziologische und -typologische Überlegungen. Steiners Notizen sind vergleichbar mit den zur gleichen Zeit begonnenen Aufzeichnungen des mit ihm befreundeten Elias Canetti ("Die Provinz des Menschen"). Auch durch die hier erstmals veröffentlichten Tagebücher gewährt dieser Band Einblicke in die Werkstatt und innere Biografie einer singulären Schriftsteller- und Gelehrtenexistenz. Sie erhellen die Emigrantenszene in England, ein Klima, in dem eifersüchtig um das Copyright auf die eigenen Ideen gefochten wird. Darüber hinaus bieten sie Einsicht in die skrupulöse Religiosität des Protagonisten. Schließlich zeichnet sich eine Liebesgeschichte ab, für die die Zeit zu knapp bemessen war: Steiners letzte Monate mit der Schriftstellerin und Philosophin Iris Murdoch.

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