Der Fackel ins wunde Herz. Kraus über Heine. Eine `Erledigung`?

Passagen Verlag, Wien 2000
Karl Kraus hat gegen Heine einen jahrzehntelangen, unversöhnlichen Strafprozess geführt, der nunmehr erstmals lückenlos dokumentiert wird. Die "Fackel"-Texte bilden das Zentrum eines dicht vernetzten Kommunikationssystems, wie es in dieser komplexen Intertextualität bisher noch nicht erfasst worden ist. Heine erscheint darin als Inbegriff der verabscheuten Moderne, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts von Paris ihren Ausgang genommen und ihre adäquate Fortsetzung um die Jahrhundertwende in Wien gefunden habe, wo die sogenannte "Heine-Affaire" das kulturelle und politische Leben jahrelang beherrschte. Mit seinen obsessiven Angriffen auf Heine fällt Kraus selber dem von ihm vehement geleugneten "jüdischen Selbsthass" zum Opfer, denn er projiziert sein eigenes Judentum auf den geistesverwandten Rivalen, um seine zeitlebens forcierte Assimilation zu vollenden.

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