

Manuel Rivas
Der Bleistift des Zimmermanns. Roman
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000
Aus dem Galicischen von Elke Wehr. Sommer 1936, Beginn eines mörderischen Bruderkriegs. In einem Gefängnis in Galicien zeichnet einer der republikanischen Gefangenen mit einem groben Zimmermannsbleistift den "Portikus der Seligkeit" der gegenüberliegenden Kathedrale. Den Propheten und Heiligen gibt er die Gesichter seiner Mithäftlinge, die so wenig wie er wissen, was mit ihnen geschehen wird. Gebannt beobachtet ihn dabei der Gendarm Herbal, getreuer Falangist und Mörder aus Überzeugung. Jahrzehnte später wird Herbal, inzwischen Faktotum in einem ländlichen Erosclub, von den Erinnerungen heimgesucht und zugleich eigentümlich getröstet. Stockend, wie träumerisch, erzählt er dem schwarzen Barmädchen Maria da Visitação von den nächtlichen Erschießungen, von den kleinen und großen Gesten der Solidarität unter den Gefangenen, die ihn so verwirrt haben, von ihrer Erfindungsgabe beim Überleben in der Hoffnungslosigkeit. Und er erzählt von Daniel Da Barca, dem Arzt und Republikaner, der ihm ein Dorn im Auge gewesen ist, seit er die schöne Marisa Mallo für sich gewonnen hatte. Herbal kann nicht verstehen, wie alle Willkür der neuen Machthaber diesen Mann nicht zu brechen vermag. In einer Mischung aus Haß und Faszination setzt er sich auf seine Fährte, folgt ihm auf seiner Gefangenenodyssee quer durch das Spanien des Bürgerkriegs. Und so wird der wortkarge Gendarm Herbal zum Chronisten Da Barcas und seiner allen Widerständen trotzenden Liebe zu Marisa Mallo.