

Marina Zwetajewa
Molodec. Skazka. Ein Märchen
Wallstein Verlag, Göttingen 2004
Russisch - Deutsch. Herausgegeben und aus dem Russischen übersetzt von Christiane Hauschild. Die russische Dichterin Marina Zwetajewa (1892-1941), im deutschsprachigen Raum bisher vor allem durch ihre Lyrik und ihren Briefwechsel mit Rainer Maria Rilke und Boris Pasternak bekannt, kann zu Recht als eine der bedeutendsten Dichterinnen des 20. Jahrhunderts gelten. Die vorliegende zweisprachige Edition macht mit dem Versmärchen "Molodec" (1922) erstmals einen zentralen Text Marina Zwetajewas auf Deutsch vollständig und ausführlich kommentiert zugänglich.
Das Märchenpoem "Molodec" geht auf ein russisches Volksmärchen zurück. Im Märchen tötet der Vampir aus Liebe zu seinem Opfer Marusja deren Familie und schließlich sie selbst, sie entkommt jedoch durch Wiedergeburt als Zauberblume, die auf ihrem Grab wächst, und heiratet einen Bojarensohn. In dem avantgardistischen Poem Zwetajewas verlässt die Heldin Marusja den irdischen Bräutigam für den teuflischen Molodec. Aus der Verneinung des Märchens entfaltet sich im Poem ein polemischer Dialog mit grundlegenden abendländischen Textraditionen. An der Figur der Teufelsbünderin Marusja verhandelt Zwetajewa in aktueller Weise Fragen der Legitimität gesellschaftlicher Macht.