Herbert Wehner. Moskau 1937

Hamburger Edition, Hamburg 2004
Mit zahlreichen Abbildungen. Herbert Wehner, lange Jahre Fraktionsvorsitzender der SPD im deutschen Bundestag, hat selbst nur spärlich Auskunft geben mögen über seine Jahre im Moskauer Exil, wo er 1937 bis 1941 als Kandidat des Politbüros der KPD im "Hotel Lux" lebte. Erst 1982 veröffentlichte er seine 1946 entstandenen autobiografischen "Notizen", die er selbst als Aufarbeitung der traumatischen Erfahrungen der Moskauer Jahre sah. Dass Herbert Wehner nicht als Opfer, sondern eher als Täter im Geflecht des stalinistischen Terrorapparats gesehen werden muss - als Informant von Stalins Geheimpolizei und als Mitarbeiter des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale - wird durch Reinhard Müllers neue Funde bisher unbekannter Dokumente erhärtet und belegt. Wehners umfassende Kenntnisse über die politische Biografie von Parteimitgliedern und sein ausgeprägtes Personengedächtnis ließen ihn zum anerkannten "Trotzkismus"-Experten der Partei werden. Es waren häufig erst seine schriftlichen und mündlichen Hinweise, die Stalins Geheimpolizei auf "rechte" und "linke" Gruppierungen und Personen aufmerksam machten. Seine publizistischen Vernichtungsfeldzüge in Zeitschriften und Zeitungen gegen linke "Splittergruppen", die er, wie zum Beispiel Willy Brandts SAP, als "trotzkistische Gestapo-Agenten" etikettierte, setzten zahlreiche Emigranten in der Sowjetunion der Verfolgung aus. Im Februar 1937 lieferte Wehner in der Lubjanka, der Zentrale der Geheimpolizei Stalins, mehrmals ausführliche Informationen zu einzelnen KPD-Mitgliedern und oppositionellen Gruppen, die zu einem an alle Dienststellen verschickten NKWD-Direktivbrief zur Verfolgung "deutscher Trotzkisten" entscheidend beitrugen. Seine persönliche Gefährdung durch eine gegen ihn angestrengte "Parteiuntersuchung" beantwortete er mit Linientreue und Denunzierung all jener, die nicht der "Generallinie" folgten. Seine Expertisen und "Agenturberichte", führten dazu, dass nach dem Februar 1937 nicht nur in der Sowjetunion eine große Säuberungswelle unter den deutschen Emigranten einsetzte und selbst die sogenannten "Trotzkisten" im Ausland noch von NKWD-Agenten verfolgt wurden.

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