

Gunnar Decker
Rilkes Frauen oder die Erfindung der Liebe
Reclam Verlag, Leipzig 2004
Rainer Maria Rilke, der Mann, der die Frau suchte - und Frauen fand. In einem schwärmerischen Gedicht schreibt der zwanzigjährige Rilke: Die einzige Gnade, die er erflehe, sei die, dass seine Werke "ein zartes Echo in den Herzen hübscher Frauen" finden möchten. Für ihn sind die Frauen die "vollkommensten Formen", in die er seine Verse gießen kann. Rilke betet die so genannte "schöne Frau" an wie eine Madonna, die ihm helfen soll, die richtigen Worte zu finden. Eine Muse soll sie sein. Aber Rilke, der die Liebe idealisiert, ist gleichzeitig immer auf der Flucht vor ihr. Auf der vergeblichen Suche nach der einen Frau gewinnt er viele Frauen. Er wird zum Frauenverführer großen Stils. Beinahe ist er ein Gigolo, denn nicht sie leben von ihm, sondern er von ihnen. Er perfektioniert die Kunst, Geld zu nehmen und schöne Worte zu geben. In seinen Gedichten wird Rilke später jede dieser längst verblassten, verhinderten oder fast vergessenen Lieben neu erfinden. Und wenn sie nur noch Erinnerungsbild sind, gehören sie ihm ganz. Dann feiert er sie.