Rund um das Große Tribunal

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2003
Das erste Mal war Peter Handke im März 1998 für einige Tage als Besucher des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag, und vier Jahre später reiste er zum Prozess gegen Slobodan Milosevic erneut dorthin, gleich in den ersten Tagen nach der Eröffnung und fast ein halbes Jahr danach, als die Zahl der anwesenden Journalisten und Kamerateams deutlich geschrumpft war. Doch sieht Handke sich nicht als "Prozessberichterstatter"; er setzt auf den genauen Augenschein, auf die Wirklichkeit hinter den Bildern, auf das Erzählen: von Prozesszeugen, die zufällig im selben Hotel wohnen, von den muslimischen Albanern aus Racak etwa oder vom serbischen Forstarbeiter, der plötzlich den hundertmal begangenen Forstweg nicht wiedererkennt. Nicht ums Urteilen geht es Peter Handke, sondern um das "Wegfallen oder Wegdenken eines Vorurteils", das das "tiefste Gefühl von Befreiung" schafft.

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