Historisches und kritisches Wörterbuch. Eine Auswahl der philosophischen Artikel

Felix Meiner Verlag, Hamburg 2003
Einleitung, herausgegeben und übersetzt von Günter Gawlick und Lothar Kreimendahl. Das 1697 in erster Auflage erschienene "Dictionnaire historique et critique" von Pierre Bayle ist als die "Bibel der Aufklärung" bezeichnet worden, oder, in den Worten Wilhelm Diltheys, als die "Rüstkammer der Aufklärung". Gleichwohl führt dieses für die europäische Aufklärung und Ideengeschichte zentrale Werk, das 1740 bereits in 8. Auflage in vier voluminösen Foliobänden vorlag, in der deutschen Aufklärungsforschung ein Schattendasein. Das liegt in erster Linie daran, dass bislang keine erschwingliche Ausgabe auf dem Buchmarkt greifbar war. Die Attraktion, die Bayles Wörterbuch auf die zeitgenössischen Leser ausübte, beruht in erster Linie auf dem skeptischen Geist, der das ganze Werk durchzieht. Bayle unterzieht Philosophie und Theologie, aber auch alle anderen Disziplinen hinsichtlich ihrer Methoden, Gegenstände und Ergebnisse einer kritischen Revision. Dieser aus dem Wörterbuch sprechende Geist einer nüchternen Rationalität traf den Geist und das Lebensgefühl des 18.Jahrhunderts,das sich nach Kants Worten nur dem verpflichtet fühlte, was vor dem "Richterstuhl der Vernunft" legitimiert worden war. Bayle steht am Anfang dieser Entwicklung und pocht unbeirrbar auf die Rechte der Vernunft, die sich für ihn in einer vorurteilsfreien Prüfung des überlieferten Wissenstandes manifestieren. Ein Resultat dieses Ansatzes ist die Forderung von Toleranz. Aus den mehr als 2000 Artikeln des Wörterbuchs sind die philosophisch bedeutendsten Artikel (gut 30 an der Zahl)ausgewählt und übersetzt worden. Dabei ist das Wort "philosophisch" in einem weiteren Sinne zu verstehen als heute üblich. Bayle fasst darunter den Gesamtbereich des rationalen Wissens.

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