

Tobias Dürr / Franz Walter
Die Heimatlosigkeit der Macht. Wie die Politik in Deutschland ihren Boden verlor
Alexander Fest Verlag, Berlin 2000
Erstaunlich stabil sind die deutschen Parteien viele Jahre lang gewesen. Diese Stabilität verdanken sie ihren Milieus. Damit ist es vorbei. Die sozialen Ressourcen der Parteien sind versiegt, ihre Grundlagen und ihr gesellschaftlicher Halt verloren. Durch die Auflösung der angestammten Milieus, so zeigen Franz Walter und Tobias Dürr, haben sich die an die Politiker gerichteten Erwartungen erhöht. Schnell, energisch und zielstrebig sollen sie handeln - sonst zappt sich das ungeduldige Publikum zur Konkurrenz. Auf Nachsicht oder gar Treue darf niemand mehr zählen. Die Ansprüche der Wähler und die Möglichkeiten der Politik driften immer weiter auseinander. Viel spricht deshalb dafür, dass sich die Entkopplung von Parteien und Gesellschaft zu einer dramatischen Krise auswächst. Andererseits haben sich die in den modernen Demokratien maßgeblichen Kräfte immer als in hohem Grade lern- und anpassungsfähig erwiesen. Wohin steuert also unser Parteisystem: in die stabilisierende Reform oder in den endgültigen Zusammenbruch?