Stichwort

Jugoslawien

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Efeu 11.12.2019 […] "In der Tageszeitung Dagens Nyheter hat am Montag der in Bosnien geborene schwedische Regisseur, Schriftsteller und Politiker Jasenko Selimovic nochmal mit der Akademie abgerechnet und die Handke-Jugoslawien-Bücher seziert. Überhaupt fragen sich viele in Stockholm, wie es mit dem Komitee weitergeht. Befürchtet wird, dass nach den Skandalen der vergangenen Zeit die Handke-Wahl und die Debatte darüber […] Nobelkomitee beim Votum für einen Vertreter alternativer Fakten im politischen Koma lag, zeigte es sich unfreiwillig als Seismograf der Epoche." Überhaupt, die Epoche: Nicht Handkes Darlegungen zu Jugoslawien, sondern die Andachtsverweigerung von Handkes Kritikern ist der wahre Skandal, meint zumindest Martina Meister in der Welt. "Wo Ruhm hätte sein sollen, war Schande angesagt. Wer Handke in den vergangenen […]
Efeu 09.12.2019 […] einer etwas anmaßenden Überlegung: "Man versteht, dass die heute dreißig oder vierzig Jahre jungen Romanschriftsteller den Handke angreifen, mit Jugoslawien, wo sich niemand so genau auskennt, und es gut und billig ist, das zu tun. Handke kennt Jugoslawien, auch aus den familiären Beziehungen." In der FR nimmt es Thomas Kaspar positiv: "Das Hoffnungsvolle, was nach Handke übrig bleiben wird: Eine jüngere […] Nobelpreisträgerin zum zentralen Antrieb der Literatur: eine Zärtlichkeit gegenüber allen anderen Daseinsformen." Handke, kommentiert Roman Bucheli knapp in der NZZ, vermied es konsequent, über Jugoslawien zu sprechen, sprach aber immer wieder seine slowenische Familiengeschichte an. "Man konnte darum die Rede trotzdem als einen stillen Kommentar zu seiner Haltung verstehen. Als wollte er erklären […] sagen." Außerdem kommt Bert Rebhandl im Standard nach einer vergleichenden Lektüre mit Martin Heidegger zu dem Schluss, dass Handkes "Eigentlichkeitssehnsucht und sein "Kontrarianismus in Bezug auf Jugoslawien" zusammengehören. Zurück zu Olga Tokarczuk, deren Rede auf NZZ-Kommentator Paul Jandl "wie ein Kommentar auf die verblasene Gegenwartslosigkeit bei Handke" wirkte. "Bei Tokarczuk geht es um eine […]
Efeu 06.12.2019 […] Peter Handkes zur Geschichte Jugoslawiens, etwa diejenige, dass die Staatsgründung "gegen das Hitler-Reich" erfolgt sei, wie Handke sagt. Und er hält Handke entgegen, dass gerade Milošević der Totengräber des Vielvölkerstaats war: "Er hat, gestützt von den national mobilisierten Teilen der serbischen Gesellschaft, bereits im März 1989 den Konsens über die Verfassung Jugoslawiens mit der faktischen Aufhebung […] Es waren Milošević und seine politischen Verbündeten, die eine Umwandlung Jugoslawiens in eine Konföderation, in einen 'Bund souveräner Staaten', Ende 1990 verhindert haben." Dem stimmt auch die Historikerin Marie-Janine Calic in der SZ zu: Handke habe sich in seinen Projektionen verrannt, denn "Milošević wollte Jugoslawien zwar erhalten, aber nur unter seinen Bedingungen. Er wollte einen Staat, in […] Kroatien und Bosnien-Herzegowina zu Minderheiten, wenn Jugoslawien zerfiel. Als es dann doch dazu kam, wollte er die Grenzen so ändern, dass alle Serben in einem Staat blieben. Aber es war rechtlich und praktisch unmöglich, die Grenzen nach ethnischen Kriterien neu zu ziehen, so vermischt wie die Völker lebten. Richtigerweise müsste man sagen: Jugoslawien wurde nicht mit Milošević begraben, sondern bereits […]
Efeu 02.12.2019 […] wenig überzeugt ist. "Überall, wo er seine Zweifel hat, kann es selbst nur heißen: Im Zweifel gegen Handkes Zweifel; gegen seine Aussage, es handele sich, weil er Schriftsteller ist, bei seinen Jugoslawien-Texten um Literatur. Diese dient hier nur als Verpackung für seine Überzeugungen, sein Meinen, seine rhetorischen Manöver. Aufklärend sind die Texte nicht, und zu einem Frieden, von dem darin häufig […] zu zitieren, 'ein Gefangener seiner Anfangsmeinung' zu sein." Hat Peter Handke 1998 mit seinen Freunden Scott Abbott und Thomas Deichmann bei einer ihren vielen gemeinsamen Reisen ins ehemalige Jugoslawien im Vilina Vlas Hotel in Visegrad übernachtet?  Peter Maass ist sich in The Intercept sicher. Dies Hotel war einer der Orte, in denen einige Jahre zuvor systematisch Frauen vergewaltigt worden waren […]
Efeu 28.11.2019 […] relativierte. (Unsere Resümees). In der Zeit nimmt der serbische Schriftsteller Bora Cosic den Shakespeare-Verweis gern auf und erklärt Handke nochmal in aller Ruhe: "Diejenigen, die in der Endphase Jugoslawiens in Belgrad regierten, waren macbethsche Figuren, denen ein aufrechter Mensch nicht mal zufällig im Aufzug begegnen möchte. Eine Bande von Brandstiftern und Mördern, keine Heilsbringer. Ihre Blutspur […] Wahrheitsfindung, wenn er Srebrenica als Kriegsepisode zwischen Soldaten umzudeuten und damit den Genozid-Charakter des Massakers abzusprechen versucht. Auch seine Kritik an der Berichterstattung über Jugoslawien in den 90ern führt in ihrer Fundamentalopposition zu einer Verzerrung: "Ihn hat mehr und mehr sein Selbersehen im Kontrast zu der in seinen Augen 'augenverstopfenden' 'Propaganda' der westlichen […]
Efeu 25.11.2019 […] Texte aus und über Jugoslawien seien Interventionen gegen den damaligen Konsens in der Berichterstattung gewesen. "Dass er sich in dieser Sache verirrt habe, glaube er nicht, so Handke: 'Mein Spruch ist: Ich werde mich entschlossen verirren. Das steht am Ende eines Journalbandes. Es gibt nichts Fruchtbareres, als sich entschlossen zu verirren. Aber wenn das jemand zu Jugoslawien sagt, dann haue ich […] seine Biografie für die Interpretation seines Werkes nicht relevant. Aber Autor und Werk bedingen einander. Das Werk macht den Autor. Im Falle Handkes lässt sich zudem konstatieren, dass der gesamte Jugoslawien-Komplex (30 Jahre!) - von 'Die Wiederholung' über die Pamphlete bis hin zu Texten wie 'Die morawische Nacht' oder 'Die Kuckucke von Velika Hoca' - Teil des literarischen Werkes ist." "Ich habe keine […]
Efeu 21.11.2019 […] "Jugoslawien hat für mich etwas bedeutet. Und wenn man mir jetzt mit Serbien kommt, ist man unredlich. Ich bin wegen Jugoslawien hin", erklärt Peter Handke im großen, unsinnigerweise hinter einer Paywall versteckten Gespräch, das Ulrich Greiner (butterweich und als Fan) für die heutige Ausgabe der Zeit mit dem Schriftsteller geführt hat. Es ist Handkes erste ausführliche Wortmeldung im deutschsprachigen […] anerkennen, wenn auf dem Gebiet mehr als ein Drittel orthodoxe und muslimische Serben lebten? So entstand ein Bruderkrieg, und es gibt keine schlimmeren Kriege als Bruderkriege. Mitterrand hat Jugoslawien zugunsten der deutsch-französischen Freundschaft preisgegeben. Wie viele Serben haben in Kroatien, in der Krajina gelebt! Und die sollten plötzlich im eigenen Land ein minderwertiges Volk sein?" […]