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Unterwegs als Nomade im Speck berichtet Wiglaf Droste über merkwürdige Begebenheiten und kulinarische Überraschungen in Regionen der Welt, die er auf seinen Reisen durchstreift. Und Nikolaus Heidelbach presst diesen Geschichten die Quintessenz ab, die er zeichnerisch auf eine Weise umsetzt, die wir ebenso ungläubig wie andächtig bestaunen.

Produktbeschreibung
Unterwegs als Nomade im Speck berichtet Wiglaf Droste über merkwürdige Begebenheiten und kulinarische Überraschungen in Regionen der Welt, die er auf seinen Reisen durchstreift. Und Nikolaus Heidelbach presst diesen Geschichten die Quintessenz ab, die er zeichnerisch auf eine Weise umsetzt, die wir ebenso ungläubig wie andächtig bestaunen.
Autorenporträt
Wiglaf Droste, geb. 1961, lebt in Berlin. Er schreibt u.a. in der 'tageszeitung"', der 'Weltwoche' und in 'junge welt'. Er ist viel unterwegs, am liebsten mit dem Essener Spardosen-Terzett, mit dem er die CD 'Für immer' aufgenommen hat. Gemeinsam mit Vincent Klink gibt Wiglaf Droste die Zeitschrift 'Häuptling Eigener Herd' heraus. Hin und wieder erscheint eine Auswahl seiner Kolumnen als Buch. Für seine Kolumnen in der taz und im Kritischen Tagebuch beim WDR erhielt der Schriftsteller, Lyriker und Satiriker 2003 den Ben-Witter-Preis. 2005 wurde Wiglaf Droste mit dem Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis geehrt. In der Begründung der Jury heißt es unter anderem: 'Mit Blick auf die deutsche Literaturgeschichte sind Vergleiche zu Autoren wie Robert Gernhardt oder Kurt Tucholsky angebracht und begründbar. Droste hat seine Vorgänger jedoch nicht kopiert, sondern einen eigenen, unverwechselbaren Ton gefunden. Seine kompromisslosen, häufig mit zynischem Gestus vorgetragenen Satiren und Gloss

en sind sprachliche Kabinettstückchen von hohem literarischen Rang.' Von März-Juli 2009 war Droste der 29. Stadtschreiber zu Rheinsberg in Brandenburg. 2013 wurde er mit dem Peter-Hille-Literaturpreis ausgezeichnet.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Rezensent Wolfgang Schneider schätzt das lässig plausible an den Abschweifungen und Assoziationen des Wiglaf Droste, in diesem Band wieder einmal kongenial, wie Schneider findet, begleitet vom Zeichner Nikolaus Heidelbach. Dass der Satiriker Droste linke Kampfeslust längst eingetauscht hat gegen Betrachtungen über handgemachte Wurst, stört ihn wenig. Solange Droste seine "kräftig-aromatische" Lebensart derart Gattungs- und Ländergrenzen überschreitend und kreuzend vermittelt, mit Witz und Charme plaudernd Imaginationsräume öffnet und die Kunst des Abschweifens pflegt, ist alles schick, meint er.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 19.05.2016

Feierbiester, Wellnessgesichter

Wer mit Robben planscht, muss Bullen fürchten: Wiglaf Droste tischt auf, und Nikolaus Heidelbach sorgt für den Augenschmaus

Der Satiriker - die Bezeichnung haftet ihm nun einmal an - Wiglaf Droste steht beispielhaft für jene ehemaligen oder Irgendwie-immer-noch-Linken, die sich in reiferem Alter auf eine erotisch gewürzte Kulinarik verlegen. Man verabschiedet Utopie und Klassenkampf zugunsten des Küchendampfs, schnallt den Gürtel ein paar Löcher weiter, schreibt Betrachtungen über handgemachte Wurst und die Wechselfälle des Lebens. "Im Traum briet ich Bouletten in Berlin", beginnt mundwässernd einer der Texte des neuesten Droste-Werks "Nomade im Speck": "Die handgekneteten, gut durchmantschten und zu leicht abgeplatteten Rundlingen geformten, gepfefferten und gesalzenen und geeigelbten Bollern bereitete ich in zwei Varianten zu: aus frisch durch den Wolf gedrehtem Lamm mit Minze und aus gehacktem Rindfleisch mit Zwiebeln, Knoblauch, Kapern und Chili."

Mit seiner Liebe zum Deftigen geht Droste auf Abstand zu den protestantisch-asketischen Spielarten des moralingesäuerten Richtig-Essens. Auf Berliner Wochenmärkten stören ihn die Besitzer der "Wir-machen-alles-aber-sowas-von-richtig"-Visagen, diese "guten grüngurkenen Bürger". Überhaupt teilt Droste scharf aus, nur sind es eben nicht mehr linke Schwinger, sondern stil- und gastrokritische Nackenschläge. Sie treffen "unwürdige Jugendgreise in Kapuzenjäckchen", "Geschäftsleute mit Wellnessgesichtern, wie man sie jetzt hat", den "grassierenden Rollkofferismus" und die "lärmenden Feierbiester" und nicht zuletzt den Strickmützenterror der Hipster, die sich "kaffeewärmerartige Gebilde auf ihre dürren Rüben stülpen". Stattdessen schätzt Droste eine gute Bar, wo Miles Davis oder Van Morrison laufen. Und stellt sich den Herausforderungen der kräftig-aromatischen Lebensart, etwa beim Rauchen einer sogenannten "Drei-Männer-Zigarre", die so heißt, "weil man zu ihrem Genuss angeblich drei Männer braucht: einen der raucht und zwei, die ihn stützen".

Die Gundmotive der Texte von "Nomade im Speck" sind das Unterwegssein und Einkehren, das Reisen und Speisen. Weit kommt Wiglaf Droste herum, bis nach Mexiko, wo er irgendwo in der tiefsten Pampa mit der Freundin in einer Cantina sitzt. Sie kann Spanisch und teilt dem Autor mit unauffällig-ungerührtem Gesicht mit, dass die vier zwielichtigen Männer am Nebentisch soeben beschlossen hätten, das Paar aus Deutschland zu ermorden und auszurauben, sie selbst vorher aber noch zu vergewaltigen. Eine beklemmende Situation mit erzählerischem Mehrwert, aus der die beiden haarscharf wie im Thriller entrinnen.

Überhaupt ist das Schöne an diesem Buch, dass Droste die Gattung der Kolumne mit der Kurzgeschichte und Anekdote zu kreuzen versteht. Zur Meinungsmache kommt also genug Erzählsubstanz, um die Buchveröffentlichung der zuerst im "Folio"-Magazin der NZZ erschienenen Beiträge zu rechtfertigen. Droste hat zudem das große Glück, dass ein fabelhafter Zeichner wie Nikolaus Heidelbach mit ihm zusammenarbeitet. Dessen farbige Illustrationen sind ein Augenschmaus; die durch sie veredelten Texte bekommen einen zusätzlichen Imaginationsraum, Bild und Wort steigern aneinander ihre Triftigkeit. Da ist zum Beispiel die bezaubernde Zeichnung einer Seehündin im Bikini. Dazu erzählt Droste, wie er beim Schwimmen vor Helgoland unter Wasser "angetitscht" wurde: "Drei Meter vor mir taucht plötzlich ein Kopf auf; mir bleibt beinahe das Herz stehen. Er ist silbergrau mit dunklen Sprenkeln, und ein lustiges Augenpaar mustert mich neugierig." Die neugierigen Augen gehören einer spielerisch aufgelegten weiblichen Robbe, mit der Droste nun beglückt herumplanscht - bis "der wesentlich größere Kanonenkugelkopf" eines Bullen aus dem Wasser kommt. Auch die Freundin des Erzählers nimmt dessen Enthusiasmus gedämpft auf: "Kein Mann schwärmt einer Frau ungestraft von einer anderen Frau vor." Bewundernswert, mit welch leichthändigem Witz und Charme Droste solche Episoden erzählt.

Zur guten Kolumne gehört die Kunst des Abschweifens und Assoziierens; die Argumentations- und Räsonierlinie hat schlangenförmig zu sein. Wie kommt der Autor auf nur zwei Seiten vom beschaulichen Urlaub in der Normandie zum Herforder Hardcore-Feminismus? So: In Granville wird er vom Vermieter in die Ferienwohnung eingeführt. Dabei stößt Monsieur Duchemin unvermittelt das alte Deutschenhasserwort aus, und Droste denkt: "Der traut sich was, mir hier den ,Boche' reinzudrücken." Aber es ist ein Missverständnis. Monsieur wollte dem Gast aus Deutschland eher schmeicheln, indem er den Markennamen der Waschmaschine nannte. Von Bosch ist es nicht weit zu einer Konkurrenzfirma und deren klassischem Werbeslogan: "Bauknecht weiß, was Frauen wünschen." In jungen Jahren aber hatte Droste als Sänger einer Herforder Soulband namens Aeroblizz einen Song aus diesem Slogan gemacht, in dem "Bauknecht" als Gigolo firmierte. Und bekam es deshalb mit den militanten Feministinnen zu tun.

Solche ebenso lässigen wie plausiblen Plauder-Kurven, wie man sie sonst etwa von Harald Martenstein kennt, lässt man sich gern gefallen. Reisen und essen, beobachten und erinnern und dazu möglichst viele Kalauer als Mitnahmeeffekte prägen dieses Buch vom "Nomaden im Speck", unterwegs zwischen den Mahlzeiten und Merkwürdigkeiten unserer Zeit.

WOLFGANG SCHNEIDER

Wiglaf Droste, Nikolaus Heidelbach: "Nomade im Speck".

Edition Tiamat, Berlin 2016, 192 S., br., 18,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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