Perlentaucher-Autor

Lukas Foerster

Lukas Foerster, geboren 1981 in Freiburg im Breisgau, hat an der Freien Universität Berlin Filmwissenschaft und Japanologie studiert. Seit 2005 schreibt er als freier Autor über Kino.
Stichwort: Dokumentarfilm - 19 Artikel - Seite 1 von 2

Zentrifugales Denken

Im Kino 15.10.2020 Der Filmessay "Orphea" von Alexander Kluge und dem philippinischen Regisseur Khavn zeigt eine Orphea in Gestalt von Lilith Stangenberg, die sich - mal zwischen Texttafeln, mal im urbanen Chaos von Manila - damit abgefunden hat, dass die Welt sich nach dem Verlust der Unschuld in eine Unterwelt verwandelt hat. In Reiner Holzemers Doku "Martin Margiela - Mythos der Mode" erzählen die Stimme und die Hände des belgischen Designers von seiner Arbeit. Von Lukas Foerster, Michael Kienzl

Der Schmerz des Patriarchen

Im Kino 03.01.2020 Valentina Primavera hält in ihrer Doku "Una primavera" die Geschichte ihrer Eltern fest, vor allem die ihrer Mutter, die sich von dem prügelnden Patriarchen trennt und dann doch zurückkehrt. Die Kamera bleibt dabei immer im Familiengefüge. In seinem zweiten Film über Jeanne d'Arc erzählt Bruno Dumont die Geschichte der Jungfrau von Orléans mehr entlang der historischen Eckdaten. Der alternative Mythos des Films blüht hier nur kurz auf. Von Lukas Foerster, Karsten Munt

Untersucht den ungeklärten Tod zweier Roma: Philip Scheffners Dokumentarfilm 'Revision' (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 12.02.2012 Ein Weizenfeld nahe der polnischen Grenze. Im Sommer 1992 war das Feld Tatort eines im juristischen Sinne bis heute unaufgeklärten Verbrechens. Gut 19 Jahre später, im Herbst 2011, filmt Philip Scheffner denselben Ort für seinen Film "Revision". Der gelbe Weizen rauscht sanft im Wind, die Schatten der Rotorblätter einer Windkraftanlage ziehen über das Feld. Die Windräder und ihr Schattenwurf tauchen immer wieder auf im Film, sie wirken in ihrer gleichmäßigen Bewegung leitmotivisch rhythmisierend, aber in ihnen steckt noch mehr: In den Windkraftanlagen materialisiert sich die zeitliche Differenz, die 19 Jahre zwischen dem inzwischen historischen Kriminalfall um zwei erschossene Roma und ihrer filmischen Revision. Tatsächlich stellt der (insbesondere im Osten Deutschlands evidente) Siegeszug der Windparks den größten Einschnitt in das Landschaftsbild Deutschlands in den letzten zwei Jahrzehnten dar (vermutlich ist das sogar noch untertrieben). Dass sie aufmerksam sind für solche scheinbar nebensächlichen Details, für auf den ersten Blick völlig kontingente Verbindungen, ist kennzeichnend für die Filme des außergewöhnlichen Dokumentaristen Philip Scheffner. Von Lukas Foerster
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