Magazinrundschau

Ich schalte meine Radare ein

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
21.04.2020. Der Guardian erzählt, wie Saudi-Arabien mit viel Geld Indonesien islamisiert. In Lidove noviny erzählt der 92-jährige Pavel Kohut aus reichlicher Erfahrung, wie man mit Krisen umgeht. Der New Yorker begutachtet das Ergebnis von Trumps Rückzug aus Syrien. La vie des idees erzählt, wie polnische Regierung und katholische Kirche zusammenarbeiten, um Frauenrechte auszuhebeln. Die London Review beobachtet die Chinesen, die seltsame westliche Sitten studieren. Vanity Fair betrachtet den Hai an Jack Dorseys Fersen.

Guardian (UK), 20.04.2020

Indonesien war schon immer das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung, aber es war eigentlich nie ein "muslimisches Land", sondern eines mit sechs Religionen und unterschiedlichen Ethnien. Das hat sich mit dem Einfluss und dem Geld aus Saudi-Arabien geändert, berichtet Krithika Varagur, wie etwa Aufstieg und Fall des islamistischen Klerikers Rizieq Shihab zeigte: Shihab jagte Jakartas christlichen Gouverneur Ahok aus dem Amt und ließ ihn wegen Blasphemie ins Gefängnis stecken, allerdings musste er sich kurz darauf nach einem Skandal um sexuelle Belästigung nach Mekka absetzen. Hauptinstrument der saudischen Missionierung - der dawa - ist in Indonesien die Lipia Universität in Jakarta: "Lipia ist der sichtbarste Außenposten der saudischen Dawa, und einer ihrer größten Erfolge weltweit. Die Universität mit eigenem Gebäude und Campus wird komplett von der saudischen Botschaft verwaltet. Die Webseite der Universität lockt Bewerber mit kostenlosem Zugang, monatlichem Stipendium und der Möglichkeit, weiterführende Abschlüsse in Saudi-Arabien zu erwerben. Der Unterricht findet auf Arabisch statt. Auf dem ganzen Campus ist kaum indonesische Schrift sichtbar, nicht mal auf Hinweisschildern. Es gibt Studentinnen, aber sie lernen von den Studenten getrennt in einem anderem Geschoss und sehen die Vorlesungen auf Video, die aus den Sälen der Männer weiter unten live gestreamt werden."
Archiv: Guardian

Elet es Irodalom (Ungarn), 17.04.2020

Die unter dem Vorwand der Pandemiebekämpfung verabschiedete Notstandsverordnung in Ungarn sowie dessen Verteidigung in den europäischen Öffentlichkeiten durch Regierungsmitglieder, bewertet der Publizist István Váncsa nicht ganz frei von Ironie. "Nach unserer Ansicht wird die Notstandsverordnung in absehbarer Zeit auslaufen: Denn man braucht sie eigentlich nicht. In Ungarn herrscht seit 2010 permanenter Notstand, also macht die Regierung, was ihr gerade einfällt. Was wiederum nicht bedeutet, dass die Errungenschaften des jetzigen, unkonventionellen Notstandes aus dem Fenster geworfen werden müssten. Die Justizministerin wies bereits darauf hin, dass einige Elemente des Notstandsgesetzes auch weiterhin benötigt werden, doch darüber wird dann das Parlament entscheiden. Dann werden diese Elemente 'ordentliche Gesetze und keine Verordnungen' sein. (…) Wir können somit davon ausgehen, dass das Parlament mit großer Wahrscheinlichkeit in ein Gesetz gießt, dass die Regierung die Anwendung der Gesetze aussetzen darf, von Gesetzesverordnungen abweichen darf und weitere außerordentliche Verordnungen erlassen darf. Mit anderen Worten, das Recht kann rechtmäßig getreten werden, während über dem Land Marias (Ungarn) der Geist von Alfred Jarry schwebt."

Wired (USA), 14.04.2020

Wer in Indien einen Mob von Hindu-Nationalisten anstachelt, um unter "Kuhmörder"-Rufen in aller Öffentlichkeit Muslime zu attackieren, kann durchaus damit rechnen, dass die Modi-Regierung nach einigen Monaten auf oberstes Geheiß Amnesie walten lässt. Zumindest ist dies Mohammad Alis großer Reportage über Hindu-Lynchmobs zu entnehmen. Lancierte Fake News und Social-Media-Dynamiken begünstigen immer wieder Tragödien, die von der Modi-Regierung allenfalls halbherzig angegangen, wenn nicht geduldet werden. "In einer Analyse von 14 Selbstjustizmorden, die 'Kuhschutz'-Gruppen wie Bajrang Dal zwischen 2015 und 2018 verübten, fand Human Rights Watch heraus, dass die Polizei 'Untersuchungen anfangs verzögerte, gängige Abläufe ignorierte oder in den Morden und ihrer Vertuschung sogar die Rolle des Komplizen spielte'. Im April 2017 überquerte ich die Grenze in den benachbarten Staat Rajasthan, nachdem dort ein muslimischer Milchfarmer namens Pehlu Khan angegriffen und umgebracht worden war, mutmaßlich von Vigilanten der Gruppe Bajrang Dal. Die Verdächtigen wurden wieder auf freien Fuß gesetzt - und das, obwohl Videos den Angriff zeigten, das Opfer auf dem Sterbebett die Namen seiner Mörder nannte und einer der Angeklagten ein Geständnis ablegte (die Videos wurden vor Gericht wegen einer Formsache als unzulässig eingestuft). Die Kehrseite dieser Straffreiheit ist, dass jene, die solche Fakten ans Tageslicht bringen, mit gravierenden Folgen rechnen müssen. Anfang September 2017 wurde eine Journalistin namens Gauri Lankesh, die jahrelang kritisch über Hindu-Nationalisten berichtet hatte, vor ihrem Haus erschossen. In den Wochen darauf erhielten zahlreiche Journalisten Todesdrohungen, darunter auch ich. Ich beschloss, meine Berichterstattung über Indien für eine Weile zu unterbrechen. Schlussendlich zog ich in die Vereinigten Staaten."
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Archiv: Wired

Lidove noviny (Tschechien), 16.04.2020

Der 91-jährige tschechische Schriftsteller und ehemalige Dissident Pavel Kohout hat bereits ein Theaterstück über Corona verfasst, das er am vergangenen Donnerstag im Prager Theater Divadlo na Vinohradech in einer 2-stündigen Lesung vor leerem Zuschauersaal, aber in Online-Live-Übertragung vortrug (Bilder hier). Vorher erklärte er in einem mit viel Witz und Galgenhumor gespickten Gespräch mit Jana Machalická: "Und wovor sollte ich mich, sorry, im zweiundneunzigsten Lebensjahr fürchten? In der Zeit jener Seuche, als man auch Wolfgang Amadeus zunächst ins Massengrab warf, weshalb er heute in Wien zwei Gräber besitzt, da wurde auch in seinem Ständetheater eine Zeitlang nicht gespielt, nun, und als die Seuche durch war, hat man wieder angefangen. (…) Seit 1968, als meine eitlen Träume und Wünsche von den brüderlichen Herden niedergetrampelt wurden, bin ich ein 'optimistischer Fatalist', was bei mir bedeutet: Wenn ich eine Gefahr wahrnehme, tu ich alles dafür, sie zu verhindern. Und wenn mir das nicht gelingt, schalte ich meine Radare ein, schaue, horche und nehme gierig wahr, was geschieht, im festen Glauben, dass ich das überlebe und dann wieder in Ruhe darüber schreiben werde."
Stichwörter: Kohut, Pavel, Seuche, Corona

New Yorker (USA), 27.04.2020

In einem Text der neuen Ausgabe des Magazins trifft Rivka Galchen einen jungen Arzt, der in Queens an vorderster Front gegen das Coronavirus kämpft und erkennen muss, wie sehr die Erkrankung an Covid-19 mit dem sozioökonomischen Status der Menschen zusammenhängt und wie sich das Verständnis dessen, was normal ist, wandelt: "Im Vorbeigehen sieht er zwei Patienten auf Bahren liegen, die in keiner sichtbaren Notlage waren, aber eine Sauerstoffsättigung um die 70 Prozent hatten. Sie gehörten eigentlich sofort in die Intensivpflege. Kurz darauf hört er jemanden nach ihm rufen. 'Es ist dieser Mann, den ich das dritte Mal in dieser Woche sehe, öfter als manche Freunde … also bin ich amüsiert und vielleicht auch etwas abweisend, weil ich ihm schon so oft gesagt habe, er soll nach Haus gehen und seine Symptome beobachten.' Äußerlich war der Mann wie immer. 'Also lasse ich ihn noch einmal röntgen, ohne eine große Veränderung zu erwarten - und es war grauenhaft.' Der Mann war kurz davor zu kollabieren. Viele Ärzte haben über den harschen Kontrast berichtet bei Patienten, die bequem im Stuhl sitzen können, während ihre entzündeten Lungen jederzeit kollabieren können. 'Du siehst, wie der Patient alle Energie seines Körpers dazu verwendet zu atmen.'"

In einem anderen Beitrag berichtet Luke Mogelson über die Folgen von Trumps Rückzug aus Nordsyrien: "Die Katastrophe, die über Nordsyrien hereinbrach, wird vor allem mit Trumps Kapitulation gegenüber Erdogan in Verbindung gebracht, die viele als Verrat an den Kurden betrachten. Senator Mitt Romney, der eine Untersuchung des Kongresses in Aussicht stellt, nannte es 'einen Blutfleck auf den Annalen der Amerikanischen Geschichte'. Kritik, die sich auf die Vorstellung bezieht, dass die Kurden für ihre Niederschlagung des IS bei den USA etwas gut haben. Trump aber hat nie erkennen lassen, dass dies auch seine Vorstellung ist. Eher sieht es aus, als wären US-Kommandeure und Diplomaten Bindungen eingegangen, die Trumps Äußerungen widersprechen und die Kurden fälschlicherweise in Sicherheit wiegten … US-Truppen in Syrien dagegen glaubten an ihre Partnerschaft mit den Kurden und waren erschüttert über die Art und Weise, wie ihr Engagement endete. Die Frage ist, ob sie den Kurden einen schlechten Dienst erwiesen haben, indem sie ihnen vorenthielten, dass der Wille sämtlicher US-Institutionen durch einen präsidentalen Tweet augenblicklich außer Kraft gesetzt werden kann und dass so ein Tweet möglich war. Nirgends sind die Spannungen zwischen dem Weißen Haus und der US-Außenpolitik so sichtbar wie in Syrien. Fast jeder Kurde, den ich dort traf, unterschied zwischen dem US-Militär und seinem Oberbefehlshaber."

Weiteres: Adam Gopnik liest einige Bücher über die Geschichte des Kaffees. Naomi Fry umarmt die chaotische Seite des Zoomens. Amanda Petrusich stellt die Sängerin Brittany Howard vor. Vinson Cummingham porträtiert die Theaterautorin und Filmemacherin Kathleen Collins.
Archiv: New Yorker

La vie des idees (Frankreich), 16.04.2020

Cover des Buchs "Hourras et désarrois - Scènes d'une guerre culturelle en Pologne", das Zuk bei den Editions Noir sur Blanc herausgegeben hat. 
Anna Saignes führt ein höchst instruktives Gespräch mit der polnischen Literaturwissenschaftlerin und Übersetzerin Agnieszka Zuk über die immer umfassendere Machtergreifung der PiS-Partei und der ihr nahestehenden katholischen Organisation "Ordo Iuris" über ein Polen, das sich nach 1989 so hoffnungsvoll geöffnet hatte und das sich in großen Teilen bis heute dem Westen zugehörig fühlt. Der Hauptwiderstand, so Zuk, kommt von Frauen, denn sie sind von den extrem verschärften Abtreibungsgesetzen existenziell betroffen. Der Prozess, der zum heutigen Backlash führte, ist komplex, und er kann nur durch einen scharfen gesellschaftlichen Widerspruch gebremst werden. Die katholische Kirche und der Ordo Juris, der zur rechtsextremen internationalen Allianz "Agenda Europe" (mehr hier) gehört, spielen eine besonders fatale Rolle: "Die Allianz zwischen der neuen Macht und der katholischen Kirche wurde ab dem Jahr 1993 mit einem Anti-Abtreibungsgesetz besiegelt, das als Kompromiss präsentiert wurde, aber in Wirklichkeit den ersten Schritt im Abbau von Frauenrechten bedeutete. Ein stillschweigendes Einverständnis zwischen der Kirche und der Politik führte zur Marginalisierung von Genderfragen, die nicht nur die reproduktiven Rechte der Frauen und die Gewalt in der Ehe, sondern auch um die Rechte der sexuellen Minderheiten betreffen. So haben die Politiker des freien Polen ihre symbolischen Schulden bei der katholischen Kirche bezahlt, die eine wesentliche Rolle bei der Mobilisierung der polnischen Gesellschaft gegen das kommunistische Regime spielte."

London Review of Books (UK), 20.04.2020

Wang Xiuyings Berichte aus Wuhan sind immer wieder hervorragende Informationsquellen. In ihrem neuesten Artikel informiert sie, dass jeder, der in China aus der Reihe tanzt - indem er sich beschwert oder mit der Polizei streitet  - im Fernsehen an den Pranger gestellt wird. Außerdem steigert sich der Nationalstolz in neue Höhen, besonders wenn die Chinesen Bilder aus den USA zu sehen bekommen, wo die Leute weder vernünftige Versicherungen noch irgendwelche Ersparnisse haben. Aber vieles lernen Chinese gerade auch gern über andere Länder, erzählt Wang: "Italiener haben offenbar musikalisches Talent und ihre Bürgermeister wissen, wie man ungehorsame Bürger zur Raison bringt - fortissimo. In Spanien, wo man sein Haus nur verlassen darf, um seinen Hund auszuführen, leihen sich die Menschen gegenseitig ihre Haustiere. Andrew Cuomo, der Gouverneur von New York, und sein Bruder Chris, ein CNN-Journalist, rivalisieren live im Fernsehen um die Zuneigung ihrer Mutter. Wir haben gelernt, dass Westler ungern Gesichtsmasken tragen, aber viel Toilettenpapier kaufen. 'Warum horteten Chinesen während der Ausgangsbeschränkungen kein Klopaper?', geht ein Witz. 'Weil wir schon am 11. November genug für ein ganzes Jahr gekauft haben' - unsere Version des Black Friday."
Stichwörter: Wuhan

Bloomberg Businessweek (USA), 20.04.2020

Der 8,5 Milliarden Dollar schwere globale Blumenhandel, wie Zeke Faux, David Herbling und Ruben Munsterman ihn beschreiben, ist sicherlich ein Klimakiller erster Güte. Aber die Folgen, die es hätte, wenn man ihn still legte, kann man in der Coronakrise gut studieren: Tausenden Blumenhändlern droht das Aus. "Der 16. März war der 'schwärzeste Tag' bei den Auktionen, sagt Fred van Tol, International Sales Manager bei Royal FloraHolland. Die Züchter riefen ihn in Panik an. 'Das sind schwierige Telefongespräche', sagt er. 'Ihr Lebenswerk droht zu implodieren.' Die Preise für Rosen fielen an diesem Tag auf 0,07 € pro Stiel und lagen damit 70 Prozent unter dem Preis des Vorjahres. Die Händler hatten Mühe, Geschäfte abzuschließen. Auf dem Auktionsgelände Naaldwijk außerhalb Den Haags warfen die Arbeiter eine Karawane nach der anderen von eingewickelten Sträußen und eingetopften Zimmerpflanzen auf den Boden, damit kleine Traktoren sie in Müllcontainer schaufeln konnten. Das Auktionshaus konnte die Preise nur dadurch stabilisieren, dass es das Angebot auf 30 Prozent des Vorjahresniveaus begrenzte."
Stichwörter: Coronakrise

Magyar Narancs (Ungarn), 19.04.2020

Der Schriftsteller und Sprachwissenschaftler Dénes Krusovszky unterhält sich mit dem schwedischen Übersetzer (der ungarischen Literatur, Krasznahorkai, Bartis, Tóth Kriszta u.a.) und Schriftsteller Daniel Gustafsson über ungarische Literatur, Übersetzungen und die Aussage des Direktors des Budapester Literaturmuseums, wonach sogenannte "Exportschriftsteller" - Schriftsteller, die auf Ungarisch schreiben, aber vor allem im Ausland erfolgreich sind - keinerlei staatliche Unterstützung verdienten, denn ihre Loyalität zu Ungarn sei fraglich. "Die Aussage über die 'Exportliteratur' scheint großer Blödsinn zu sein", meint Gustafsson. "Was wären denn Exportthemen? Der Wert eines literarischen Werkes bemisst sich in erster Linie an dem universellen Charakter der Themen sowie an dem sprachlichen Niveau der Texte. Freilich gibt es auf dem literarischen Weltmarkt aktuelle Trends, zum Beispiel das "Exportgut" skandinavischer Krimi. Was ist deren Geheimnis? Dass die Werke - zumindest am Anfang - etwas zeigen konnten, was dem Genre bis dahin fremd war, nämlich soziale Sensibilität. Diejenigen, die jetzt in Ungarn als 'Exportschriftsteller' bezeichnet werden, sind von Anfang bis Ende niveauvolle Autoren. Sie sind sehr unterschiedlich, wenn wir nur an Laszlo Krasznahorkai oder an Krisztina Tóth denken. Doch auch diese Qualitätsliteratur bedarf staatlicher Unterstützung, damit sie im Ausland erfolgreich sein kann, denn die kleinen Sprachen sind enorm im Nachteil gegenüber der dominanten angelsächsischen Literatur. Wenn wir versuchen würden nach irgendwelchen ideologischen Inhalten 'zu exportieren', würde das in einem riesigen Flopp enden." (Hintergrund:  )

Vanity Fair (USA), 25.05.2020

Jack Dorsey ist stinkreich und pflegt seltsame Gesundheitsrituale. Er ist außerdem Mitbegründer von Twitter. Einer dieser Typen also, die mächtiger sind als Präsidenten und alle Zeitungen dieser Welt. Aber auch dieses Leben ist nicht ungetrübt, Dorsey ist jetzt ein richtig großer Hai auf den Fersen, erzählt Nick Bilton: Jesse Cohn vom Hedge Fund Elliot Managment. Der erwarb Twitter-Anteile im Wert von einer Milliarde Dollar und kündigte dann an, dass man Veränderungen in der Firmenleitung erwarte, damit Twitter mehr Geld mache. Dorsey und sein Umfeld nahmen das zunächst nicht ernst: Ohne ihn wäre Twitter schnell man Ende, glaubte man. "Doch für manche ist das eine altmodische Ansicht, ein Aberglaube aus dem Silicon Valley. In den Augen von Elliott scheitert Twitter gerade weil Dorsey dort ist. Angeführt wurde der Antrag, ihn rauszuschmeißen, von Jesse Cohn, der kürzlich von William D. Cohan in einem Profil als eine tausendjährige Version von Gordon Gekko beschrieben wurde. Cohn hat einen Ruf in Situationen wie dieser. Er hat unter zahllosen anderen Unternehmen die Verdrängung der CEOs von Athenahealth und eBay durchgesetzt und einen blutigen Sport daraus gemacht, schwache CEOs bei unterbewerteten Unternehmen aufzuspüren, sich in ihre Vorstände zu drängen und so lange auf Veränderungen zu drängen, bis er seinen Willen durchsetzen konnte, wobei seine Firma Hunderte von Millionen Dollar verdiente. Ein langjähriger Beobachter von Cohn beschrieb ihn als 'einen verdammten Killer', der alles tue, was nötig sei. In der Vergangenheit hat Elliott bei früheren Coups extreme Taktiken angewandt, darunter die Beauftragung privater Ermittler, um schmutzige Geheimnisse bei den Vorstandsmitgliedern aufzuspüren."
Archiv: Vanity Fair