Magazinrundschau

Einmal Freiheit

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
24.10.2017. Emmanuel Carrère studiert für den Guardian die Verführungskunst Emmanuel Macrons am lebenden Objekt. La regle du jeu denkt über den feinen Unterschied zwischen Verführung und Belästigung nach. In Eurozine erklärt Slavenka Drakulic den Katalanen, was es braucht, um einen Bürgerkrieg auszulösen. Die London Review würdigt Mut, Verstand und Genie der vor 100 Jahren geborenen Carson McCullers.

Guardian (UK), 20.10.2017

Der Autor Emmanuel Carrère ist mit Emmanuel Macron in die Karibik gereist, wo der Präsident die vom Hurrikan verwüsteten Überseegebiete Frankreichs besuchte. Einmal in Jupiters Orbit, kann man sich ihm kaum noch entziehen, lernt der Schriftsteller: "Es taucht eine verärgerte Frau namens Lila auf, verstellt ihm den Weg und beschuldigt ihn, sich keinen Deut um das Leid der Opfer zu scheren und nur hier zu sein, um vor den Fernsehkameras eine gute Figur zu machen, mit seinem gebügelten Hemd und seiner Krawatte, die nicht nach viel aussieht, aber ein Vermögen gekostet haben muss. Sie tritt so vehement auf, dass die Inselbewohner um sie herum zu murren beginnen, so könne sie doch nicht mit dem Präsidenten reden. Jeder andere hätte seinen Vorteil aus der Situation gezogen und gesagt: 'Sehen Sie, die Leute sind auf meiner Seite.' Nicht Macron. Für ihn ist Lila eine Herausforderung. Er nimmt ihre Hand, und sein Gesicht teilt sich in zwei. Ich habe schon oft gesehen, wie er das macht: die rechte Hälfte, mit gerunzelter Braue, ist entschlossen, ernst, fast streng und macht den Eindruck, dass alles, was er tut, im Angesicht der Geschichte geschieht. Die linke Hälfte ist herzlich, optimistisch, ein wenig verschmitzt und sagt, jetzt ist er hier, jetzt wird alles gut. Fünf, zehn Minuten lässt er Lilas Zorn über sich ergehen. Er hat einen Zeitplan, sein Team drängt zur Eile, sorgt sich um Verspätung - und sie werden sich verspäten, wie immer. Doch er hat alle Zeit der Welt: Er ist ja der Boss. Die Frage ist, ob er oder ob Lila gewinnen wird, die nun selbstsicher verkündet: 'Ich kann ganz schön nerven.' Woraufhin er mit dem charmantesten Lächeln antwortet: 'Das ist mir nicht entgangen.' Nicht schlecht. Sie grinst, sie wird klein beigeben, sie gibt klein bei. Dann im letzten Moment, als sie zum Abschied die Hände schütteln, überlegt sie es sich anders und ruft: 'Lassen sie meine Hand los. Lassen Sie meine verdammte Hand los.' Für mich war das wie der verzweifelte Versuch, an ihrem Ärger festzuhalten - an ihrer Integrität. Und dem hypnotischen Griff des Präsidenten zu entkommen, seiner Überzeugungskraft, die dem Rattenfänger von Hameln gleicht, seiner geradezu Furcht erregenden Verführungskunst."
Archiv: Guardian

Bloomberg Businessweek (USA), 02.10.2017

Seit er aus dem Weißen Haus ausgeschieden ist, hat sich Steve Bannons Fokus hartnäckig auf die Außenpolitik gegenüber China verlegt, berichtet Joshua Green, der genau Buch darüber führt, welche Reisen nach Fernost der Rechtspopulist und Breitbart-Chef in den vergangenen Wochen unternommen, welche Vorträge er gehalten und welche Gespräche er geführt hat. Trotz markiger Wahlversprechen sei Trumps Umgang mit China zu lasch, meint Bannon. "Seine Versuche, die Republikanische Partei in Richtung Nationalismus zu lenken, sehen auch vor, Kandidaten zu harten Positionen gegenüber China zu bewegen, erklärt Bannon. 'Jeden Tag arbeiten wir daran, aus China ein großes Wahlkampfthema für 2018 und 2020 zu machen', sagt er. Egal, ob es Bannon gelingt, Trump zu überzeugen: Die Tage, an denen man die Republikaner für eine Partei des uneingeschränkten Freihandels halten konnte, sind wohl vorbei. 'Derzeit richtet sich die US-Politik auf Populismus und Isolationismus aus - und darauf, China aus guten oder schlechten Gründen in die Tonne zu treten', sagt Derek Scissors, der China-Experte des American Enterprise Institute. 'Wäre ich Goldman Sachs oder irgendeine andere große Bank, die ihre Deal-Pipelines verteidigen muss, würde ich mir Sorgen machen."

Wired (USA), 21.10.2017

In China arbeitet man an einem System, dass das Konsum- und Online-Verhalten, aber auch die sozialen Netzwerke seiner Bürger flächendeckend auf Big-Data-Grundlagen mit Fleißsternchen und Tadeln versieht, schreibt Rachel Botsman in der britischen Ausgabe von Wired. Die daraus folgenden Einstufungen dürften sich direkt auf Bildungschancen, Job, Karriere und Kreditbewilligungen auswirken, um konformistisches Verhalten und Herdendruck zu begünstigen - zumal sich zum Beispiel regierungskritische Postings im Netz auch auf die Ratings der eigenen Freunde auswirken. Derzeit ist die Teilnahme an dem Projekt noch freiwillig, ab 2020 soll sie verpflichtend sein. "Dieses neue Sytem reflektiert einen gerissenen Paradigmenwandel. Statt innere Stabilität und konformistisches Verhalten mit dem Knüppel und einer guten Dosis Angst vor der Obrigkeit durchzusetzen, geht es der Regierung nun darum, Gehorsam wie ein Spiel aussehen zu lassen. Es handelt sich um eine Methode der sozialen Kontrolle, die sich als Punkte-Belohnungs-System verkleidet. Es handelt sich um gameifizierten Gehorsam. ... Chinas Vertrauenssystem mag bislang noch auf freiwilliger Basis beruhen, doch zeigt es bereits Folgen. Im Februar 2017 verkündete der Oberste Gerichtshof des Landes, dass in den vergangenen vier Jahren 6,15 Millionen Bürgern wegen gesellschaftlich unerwünschtem Verhalten keine Flüge buchen durften."
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Archiv: Wired

Mother Jones (USA), 01.11.2017

Dies ist eine dieser Reportagen, die wirklich den Pulitzer-Preis verdient haben, nüchtern, voller Fakten und über ein Thema, das scheinbar zum Gähnen ist: ein Wahlgesetz im Staat Wisconsin. Aber Ari Berman kann zeigen, dass dieses Gesetz mit bürokratischen Hürden bei der Wahlregistrierung Wisconsin tatsächlich ins Trump-Lager manövrierte - Hillary Clinton ist um ihren Wahlsieg betrogen worden. Um Missverständnissen vorzubauen: "Das war kein Versagen, sondern Absicht." Das Gesetz forderte, so Berman, dass Wähler ihren Führerschein und andere Dokumente vorweisen - eine langwierige Prozedur, wenn man sie nicht gerade parat hat. Es verlangte von Studenten einen ganz neuen Ausweis, den sie nur für die Wahl beantragen mussten - und diese oft ganz neu formulierten Gesetze gab es nicht nur in Wisconsin, sondern auch in vielen anderen Staaten. In Illinois etwa musste man "einen Ausweis aus Illinois mit Foto, eine Sozialversicherungskarte, einen Meldenachweis und einen Geburtsschein vorlegen" - unnötig zu sagen, dass durch diese Gesetze vor allem die schwarze Bevölkerung und neu Eingewanderte abgeschreckt werden, all jene Wähler, die auch so noch in großer Mehrheit für Hillary Clinton gestimmt haben: "Die Lektion von 2016 liegt mit erschreckender Klarheit vor Augen. Wenn Wahlverhinderung in einem Staat wie Wisconsin mit langer progressiver Geschichte und einer Kultur hoher Wahlbeteiligung funktioniert, dann funktioniert sie überall. Und wer noch an faire Wahlen glaubt, sollte diese Drohung sehr ernst nehmen. Sonst wird sich die Geschichte wiederholen."
Archiv: Mother Jones

Hospodarske noviny (Tschechien), 23.10.2017

Nach dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels hat Margaret Atwood in Prag den Franz-Kafka-Preis erhalten und in der Václav-Havel-Bibliothek eine Lesung gehalten, wie die Hospodářské noviny berichten. Dabei riet sie jungen Studenten, nicht den Politikern zu glauben, die behaupteten, Geisteswissenschaften seien zu nichts nütze. Diese Politiker wollten nur die Bürger vom kritischen Denken abhalten, das die Menschen dazu bringe, die Aussagen der Politiker in Zweifel zu ziehen. "Eine geisteswissenschaftliche Ausbildung lehrt einen, kritisch zu denken und Geschichten zu analysieren. Gerade heute, wo Fake News die Welt beuteln, haben Absolventen der Geisteswissenschaften die besten Voraussetzungen, zu erkennen, welche von diesen Geschichten wahr sind und welche nicht", meinte Atwood. Der tschechische Staatspräsident Miloš Zeman hatte in der Vergangenheit vorgeschlagen, geisteswissenschaftliche Fächer mit Gebühren zu belegen, da deren Absolventen nur auf dem Arbeitsamt landen würden, und davor gewarnt, wenn "jeder Vergil im Original lese", werde die Tschechische Republik ihre Konkurrenzfähigkeit verlieren.

New Yorker (USA), 30.10.2017

Im aktuellen Heft des New Yorker stellt Patrick Radden Keefe die Pharmadynastie der Sacklers (Purdue Pharma) vor, die uns seit Jahrzehnten verlässlich mit Opioiden versorgt: "Seit 1999 sind 200.000 US-Amerikaner an Überdosen von Purdues OxyContin und anderen Opioiden gestorben. Viele Abhängige, denen die verschreibungspflichtigen Schmerzmittel zu teuer waren, sind auf Heroin umgestiegen. Nach Angaben der American Society of Addiction Medicine haben vier von fünf Heroinabhängigen mit Schmerzmitteln angefangen. Die neuesten Zahlen des Centers for Disease Control and Prevention besagen, dass jeden Tag 45 Amerikaner an Opioid-Überdosen sterben. Andrew Kolodny, Co-Direktor eines Opioid-Forschungskollaborativs der Brandeis Universität, hat mit Hunderten Opioid-Abhängigen gearbeitet. Er sagte, auch wenn viele Opioid-Überdosen nicht mit OxyContin in Zusammenhang gebracht werden können, wurde die Krise durch eine von Purdue eingefädelte Wende in der Verschreibungspraxis initiiert: 'Sieht man sich den Verschreibungstrend für verschiedene Opioide an, erkennt man, dass die Zahlen 1996 in die Höhe gehen. Kein Zufall. Es war das Jahr, in dem Purdue eine großangelegte Kampagne startete, die eine Missinformation der medizinischen Gemeinde über die Risiken beinhaltete.' Laut Kolodny trägt Purdue den Löwenanteil der Schuld an der aktuellen Krise im öffentlichen Gesundheitswesen. Auch wenn der Name Sackler auf Dutzenden Gebäuden prangt, erwähnt die Purdue-Website die Familie kaum. Auf einer Liste der Firmen-CEOs fehlen die acht Familienmitglieder aus drei Generationen, die dieses Amt bekleideten."

In einem anderen Artikel besucht Peter Schjeldahl die Malerin Laura Owens in Los Angeles und lässt sich erklären, was Bildende Kunst heute bedeutet: "Indem sie etwa alte Zeitungen mit Kriegsmeldungen und Werbung aus dem Jahr 1942, die sie in ihrem Haus in Echo Park entdeckte, in einem komplizierten Verfahren auf Siebdruck übertrug und sie sowohl als Text wie auch als Textur verwendet, zeigt sich, wie sowohl Medium als auch Inhalt für sie zählen. Was zählt, ist ihre Besonderheit, die sie von Vergleichbarem unterscheidet. 'Alle Kunst ist heute Collage', erklärt sie und meint damit nicht einfach Cut 'n' Paste, sondern die Einbeziehung von Methoden und Bildern aus anderen Kontexten. 'Heterogen in der Form', fährt sie fort. 'Gegen das Paradigma des Gestaltobjekts eines Gemäldes von Jackson Pollock etwa, gegen das eine erschütternde Bild. Heute geht es in der Kunst um das Konstruiertsein aus der Beziehung zwischen Teilen."

Weitere Artikel: Anthony Lane sah im Kino Yorgos Lanthimos' Familiendrama "The Killing of a Sacred Deer" und Ruben Östlunds Kunstsatire "The Square". Alex Ross hörte Ashley Fures Musiktheaterstück "The Force of Things"
Archiv: New Yorker

Magyar Narancs (Ungarn), 21.09.2017

Der Dirigent Iván Fischer erzählt im Gespräch mit József Kling, wie er die Ungarn im Ausland zu erklären versucht: "Ich werde im Ausland oft gefragt: Was läuft bei euch? Wie konnte das alles passieren? Besorgt werde ich gefragt, voller Zuneigung und Neugier. (...) Die Wurzeln der Ausländerfeindlichkeit versuche ich damit zu erklären, dass die ungarische Sprache eine vollkommen eigenartige ist und dadurch das Erlernen einer Zweitsprache lästig ist. Dass die Ungarn sich viel wohler fühlen, wenn sie sich miteinander unterhalten können und nicht in einer anderen Sprache sprechen müssen. Oder die ständige Suche nach einem Sündenbock, die Unzufriedenheit und die schlechte Meinung gegenüber anderen - ich versuche verständlich zu machen, dass es in einem so kleinen, verschlossenen Land sehr schwer ist Erfolge zu erzielen und wettbewerbsfähig zu sein. Es ist viel einfacher jemanden für die eigene Ergebnislosigkeit verantwortlich zu machen."
Stichwörter: Fischer, Ivan, Ungarn

Revista Anfibia (Argentinien), 21.10.2017

Die Journalistin Adriana Meyer porträtiert Moira Millán, Angehörige einer Mapuche-Gemeinschaft aus der südargentinischen Provinz Chubut, wo am 18. Oktober die Leiche des vermutlich von der Polizei ermordeten Umweltaktivisten Santiago Maldonado aufgefunden wurde, ein Fall, der auch international großes Aufsehen erregt hatte. Milláns Gemeinschaft, die um die Rückgabe ihrer offenbar öl- und gasreichen Ländereien, derzeit im Besitz des Modeunternehmers Benetton, kämpft, war und ist Verfolgungen ausgesetzt. Als nun ein Untersuchungsrichter ihrem Wohnort nach einer Brandstiftung einen Besuch abstatten wollte, "stellte Millán sich ihm in den Weg und bestand darauf, die ihn begleitenden Polizisten auf Waffen abzutasten, und 'zum ersten Mal wurde der Wille einer unserer Gemeinschaften respektiert - sie würden den Ort nur unbewaffnet betreten. Für uns ein historisches Ereignis. Vielleicht entsteht so ein neues Sicherheits-Protokoll zwischen dem Staat und den indigenen Völkern. Dass wir die Polizisten abtasten durften, war ein Zeichen für die Autonomie und die Ausübung des indigenen Rechts auf indigenem Gebiet, das bei allen derartigen Konflikten zur Anwendung kommen sollte. Künftig sollte immer zuerst darüber verhandelt werden, wie und wann sie unser Gebiet betreten dürfen.' Bebildert ist der Text mit beeindruckenden Fotos von Gustavo Zaninelli."

Eurozine (Österreich), 19.10.2017

Geradezu etwas unheimlich liest sich dieses kluge Interview mit der kroatischen Autorin Slavenka Drakulic, die über ihre Erinnerung an die Kriege im ehemaligen Jugoslawien spricht, nicht nur weil sie die Medien und Intellektuellen für den Konflikt mit verantwortlich macht, sondern auch, weil die Fragen von einem spanischen Online-Magazin, El Confidencial, gestellt werden (englisch in Eurozine). Am Ende wird sie gefragt, ob sie Parallelen zum aktuellen Konflikt in Spanien sieht: "Meine Erfahrung ist, dass das Haupthindernis für Krieg ein psychologisches ist. Man geht nicht einfach raus und bringt seine Feinde, Spanier oder Katalanen, um, das wäre ja verrückt. Man braucht eine Rechtfertigung für den Akt des Tötens. Man muss überzeugt sein, das richtige zu tun, sich selbst gegen einen Feind zu verteidigen, der einem schaden will. Bei Ihnen erwacht der nationalistische Virus, aber für einen realen Konflikt müssten Sie erst eine psychologischer Rechtfertigung finden, Sie müssten Menschen überzeugen, anstecken, um den Konflikt in Gang zu setzen. Die Leute müssen für offensichtliche Ziele töten und sterben wollen - dann ist Krieg möglich. Das braucht zum Glück Zeit. Hoffen wir also, dass es noch Gelegenheiten gibt, einen fatalen Konflikt in Spanien zu vermeiden."

Außerdem in Eurozine: Milena Iakimova und Dimitar Vatsov schreiben über russische Einflussnahme in Bulgarien.
Archiv: Eurozine

London Review of Books (UK), 23.10.2017

Patricia Lockwood denkt in einem sehr schönen Text über die 1967 gestorbene amerikanische Schriftstellerin Carson McCullers nach und kommt zu dem Schluss, dass ihr Schreiben weder morbide noch grotesk war, wie oft behauptet, es war nur einfach nicht klimatisiert. "Sie schrieb aus dem Inneren eines Körpers heraus, der von Krankheit niedergestreckt wurde, bevor sie achtzehn war. Über was für Körper soll sie also schreiben? Der Süden selbst war von Beginn an von einem Geschwür infiziert - sollte sie ihn beschreiben, ohne das Kranke miteinzuschließen? Der Süden bewegt sich, bewegt sich nicht, bewegt sich nicht und dann bricht er in Gewalt aus. Es ist für nachfolgende Generation mitunter leichter, Schriftsteller zu lieben, die nicht über Schwarz und Weiß geschrieben haben, denn dann würde man nicht daran erinnert werden, dass sie in ihre Zeit gehörten, dass sie niemals genug Empathie oder Empörung zeigen könnten, egal wie sehr sie es wollten. Doch McCullers' Vokabular lässt sie nicht im Stich. Ihre körperlichen Beschreibungen werden niemals unangenehm. Dafür ist alles andere da: Die Polizeiknüppel, die auf die jungen Männer niedergehen, die ungerechte Inhaftierung und die Misshandlung im Gefängnis, die rohe Ungerechtigkeit eines alles durchdringenden feudalen Systems - es ist die Realität des amerikanischen Südens, die mittlerweile auf das ganze Land übergegangen ist. Ihre schwarzen Frauen schuften in den Häusern anderer Menschen und geraten in Verzweiflung, wenn sie den geliebten Mann verlieren; ihre schwarzen Männer brechen aus, um einmal Freiheit zu spüren, und werden prompt bestraft. Es gibt stets einen doppelten Verdacht gegen McCullers, dass sie ein Genie war und dass sie, weil sie Genie war, nicht ernst genommen werden muss. Vielleicht stimmte etwas nicht mit ihrem Verstand? Mit ihrem Fokus auf Missverhältnisse? Doch es wäre grotesker gewesen, im Süden aufgewachsen zu sein und ihn nicht so zu zeigen, wie er war."

Weiteres: Carolyn Steedman erinnert sich an das Studieren in den sechziger Jahren.